05.06.2022
Sleep is for the weak!
Ein alter Spruch unter Fotografen, die vor allem die Natur fotografieren, lautet „Von 11 bis um 3 hat der Fotograf frei.“
Gemeint ist damit, dass das interessante Licht des Morgens um 11 dem platten, harschen Licht des Tages gewichen ist und selbiges bis 15 Uhr bleibt, bevor sich die Sonne daran macht, die goldene Stunde des Abends vorzubereiten.
Im Umkehrschluss bedeutet das: das schöne Licht ist dann, wenn man müde ist.
Klar, das ist keine universelle Aussage, die auf jeden zutrifft, aber wie viele Menschen kennst du, die sagen „Ach so ein bunter Sonnenaufgang ist mir eigentlich Wurst.“
Wie viele, die den Blick in einen leuchtend orangenen Sonnenuntergang mit einem trockenen „Hm“ quittieren und wegschauen oder von einem klaren Sternenhimmel völlig unbeeindruckt sind?
Mir fallen da nicht so viele ein.
Keiner, glaube ich.
Das schöne Licht einzufangen bedeutet häufig, früher aufzustehen, als die Sonne, und später schlafen zu gehen.
Und die, die auch noch gern den Sternenhimmel fotografieren, können sich das mit dem nachts schlafen eigentlich völlig schenken.
Vor kurzem waren Mila und ich auf Baltrum.
Wir fahren dort mit dem Arbeitskreis Baltrum hin und kümmern uns da um die Mannschaftszelte für die Freizeitmaßnahmen, die im Sommer dort stattfinden (mehr Infos dazu findest du auf http://www.jbs-baltrum.de/) und um allgemeine Instandhaltungsmaßnahmen für das Zeltlager.
Natürlich hat sich die Pandemie auch auf die Maßnahmen ausgewirkt, und so waren wir selbst zweieinhalb, fast drei Jahre nicht auf der Insel. Wofür Zelte aufstellen, wenn keiner drin schläft?
Für gewöhnlich arbeiten wir den Freitagabend (sofern wir früh genug anreisen können), den Samstag und Sonntagmorgen, wenn noch Reste über sind. Mittags gibt es eine Mittagspause, bei der wir immer vor einer der schwersten Entscheidungen des Wochenendes stehen:
Eine Runde auf’s Ohr hauen, oder doch an den Strand? Denn für beides reicht die Zeit nicht. Ich bin wirklich, wirklich gerne am Strand…aber ich schlafe auch nirgends so gut, wie hier, in diesem Camp.
In unserem Caddy vielleicht noch, aber besser als hier auf Baltrum?
Niemals.
Deshalb hatte ich mir für dieses Wochenende auch fest vorgenommen, Sonntagmorgen auszuschlafen, oder sagen wir, wenigstens zu schlafen, bis es Frühstück gibt.
Abends Lagerfeuer, einen Whiskey zum Feierabend und dann richtig gut und lange schlafen.
Aber die Insel hatte anderes im Sinn.
Ich bin um sechs Uhr morgens wach geworden, von ganz alleine.
Als mir das am Samstag passiert ist, habe ich aus dem Fenster des Hauptgebäudes, in dem wir an diesem Wochenende geschlafen haben, geschaut und habe dicke, graue Wolken gesehen. „Gut so“, habe ich mir gedacht, und habe noch etwas weitergeschlafen.
Aber Sonntag? Das Frühstück sollte etwas später sein, also hätte ich auch länger schlafen können.
Der Blick aus dem Fenster bot mir aber keineswegs schlechtes Wetter oder gar eine geschlossene Wolkendecke.
Es gab einzelne Wolken unterbrochen von freiem Himmel und zu allem Überfluss schönsten, dicken Morgennebel, der in den Dünen und im Camp lag.
Morgens um Sechs auf Baltrum - ein Blick, der einen um den Schlaf bringen kann...
Ich habe mich nochmal hingelegt.
Ich hatte mir ja vorgenommen, auszuschlafen.
An die Gattin gekuschelt, dann auf den Rücken gedreht und die Decke, die noch von mir selbst kuschlig warm war, bis zur Nase hochgezogen.
Augen zu.
Augen auf.
Ich wusste ganz genau, dass ich jetzt nicht wieder einschlafen könnte.
Dafür waren die Bedingungen einfach zu gut!
Also hab‘ ich mir meine Sachen geschnappt, der Liebsten einen Kuss auf die Stirn gegeben und versichert, zum Frühstück wieder zurück zu sein.
Dann bin ich raus, durch das Camp und dann den Weg durch die Dünen zur großen Aussichtsdüne.
Schon unterwegs habe ich ein paar interessante Motive gesehen, wie einen einzelnstehenden Baum im Nebel, oder den Pfad zur Jugendbildungsstätte, der im Bodennebel verschwindet, während die Dächer der JuBi und der Aussichtsturm gerade aus ihm herausragen.
Aber als ich die Aussichtsdüne hinaufging und ich so langsam über den Nebel kam, offenbarte sich mir das schönste Motiv:
Die Jugendbildungsstätte in den Dünen, zwischen denen der Nebel lag.
Ein einsamer Baum in den Dünen...es könnten auch Berge, statt Dünen sein.
Die Jugendbildungsstätte im Morgennebel
Ich ging weiter auf die Aussichtsdüne hinauf, aber so langsam begann die bereits am Himmel stehende Sonne, den Nebel aufzulösen.
Ich habe von dort oben noch ein Panorama aufgenommen, von dem ich aber letztendlich nicht allzu überzeugt war.
Das Licht schien mir so langsam zu flach und zu harsch zu werden, der Nebel verschwand langsam, also beschloss ich, wieder von der Düne herunterzugehen und meinen Weg durch den kleinen Buchenwald Richtung Strand fortzusetzen.
Doch ein Fasanenhahn hatte es auf mich abgesehen.
Er wartete bereits auf mich, so schien es, um das schöne Motiv mit der Jugendbildungsstätte in denn Dünen noch besser zu machen.
Ich konnte mein Glück kaum fassen! Dort saß er, neben einem Strauch direkt vor mir, mit dem Zeltlager im Hintergrund.
Ich hielt die Kamera bereit und habe mich langsam angeschlichen. Ich wollte ihn auf keinen Fall verschrecken und habe gehofft, er würde nochmal rufen.
Denn das wäre das Sahnehäubchen!
Jeder, der schonmal auf Baltrum war, kennt den Ruf. Dieses charakteristische (ich hab‘ extra bei Wikipedia recherchiert) „GÖ-GÖCK“ hat uns alle schon mal aus den Schlafsäcken geholt! Es ist durchdringend, nicht besonders schön und wirklich jeder hat es verinnerlicht. Manche antworten sogar darauf.
Und er hat es getan und ich war schnell genug, abzudrücken! Im Hintergrund dank Blende 11 und 80 Crop-Sensor-Millimeter eine Jugendbildungsstätte, die gerade so unscharf ist, dass es einen interessanten Backdrop gibt, aber scharf genug, um erkennbar zu sein und im Vordergrund der Fasan im Ruf mit schlagenden Flügeln! Wenn du genau hinsiehst, kannst du sogar den kondensierenden Atem erkennen!
Was für ein Glück! Ich bin ja kein Tierfotograf, aber hier gehört der Fasan einfach dazu!
Ich konnte ein Glück kaum fassen und war mir recht sicher, dass das Bild heute nicht mehr getoppt würde.
Meinen Spaziergang wollte ich trotzdem fortsetzen, ich hatte ja noch ‘ne halbe Stunde Zeit.
Kurz vor dem Buchenwald hab‘ ich noch einen Baum im Gegenlicht gefunden und versucht, mit schön geringer Tiefenschärfe von seiner Umgebung abzuheben, aber die Sonne stand schon zu hoch, das schöne Licht war Vergangenheit.
Noch ein Schnappschuss hier und da, dann bin ich zurück in’s Camp und zum Frühstück.
Ein bisschen müde, aber wäre ich nicht so früh aufgestanden und losgezogen, wäre ich niemals mit diesem großartigen Foto nachhause gekommen!
Und so ist das! Für die schönsten Landschaftsfotos muss man dann raus, wenn man eigentlich schlafen will!
Deshalb bin ich auch gestern um vier aus den Federn und werde das morgen wieder tun!
Für ein Foto für das ich genau zum Moment, in dem die Sonne über den Horizont steigt, schon vor Ort sein muss. Also um fünf. Mit etwas Reserve für den Fußmarsch vom Auto aus und zum Einrichten. Also am besten um Halb Fünf ankommen.
Ein Foto von dem Morgen gibt’s hier schonmal als Vorgeschmack, den Rest gibt es dann hoffentlich in einem der nächsten Videos…wenn ich mit ihnen zufrieden bin.
Also mal fix zu YouTube und meinen Kanal abonnieren und ein bisschen Geduld mitbringen, von mir gibt’s nur ein Video im Monat und ich habe noch ein bisschen Vorlauf.
Eine kleine Vorschau auf ein kommendes Video - ein Morgen bei Arnum
Schlaf ist für die Schwachen.
Ob das jetzt körperliche Schwäche meint, oder aber geistige, weil man schon ein bisschen bekloppt sein muss, um sowas andauernd zu machen, das lasse ich mal Gegenstand der Diskussion sein und genieße jetzt erstmal noch ein wenig, mitten am Tag im Halbschatten in meiner Hängematte zu liegen.
Irgendwann mal faulenzen muss nämlich auch sein.
Mein Lieblings-Hängemattenplatz
So lässt es sich aushalten und diesen Blogpost schreiben!