Blog

17.11.2022
 

Die Geschichte hinter "Goldene Stunde"

 

Es ist Sommer 2021. 

Mila und ich sind im Caddy unterwegs und erkunden Deutschland das zweite Jahr in Folge. 

Unser Land hat echt einiges zu bieten! 

Ich meine…wir haben Ecken in Deutschland, die wirklich nicht nach Deutschland aussehen! 

Der Calmont an der Mosel zum Beispiel – insgesamt die ganze Ecke um Cochem – verströmt eher französisches oder italienisches Flair. 

 

Die Felder, die Berge, die Weinreben, die kleinen Dörfer entlang des Flusses mit wunderschönem Fachwerk. Man könnte fast glauben, man sei in der Toskana oder irgendwo in Frankreich! 

Es ist wirklich eine Reise wert. 

Deshalb waren wir hier auch zwei Jahre in Folge und hatten in beiden Jahren echt schöne Wanderungen. 

Sei es am Calmont selbst, zur Burg Elz oder einfach durch die Umgebung unseres Campingplatzes. 

Aber es gibt eine Gegend in unserem schönen Lande, die es uns noch mehr angetan hat, als die Mosel, ganz besonders, wenn es uns darum geht, zu wandern: das Elbsandsteingebirge.

Das soll Deutschland sein?

Die Steinformationen, die steilen Klippen, das zerklüftete Gebirge…

Ja, ich weiß, es ist ein ziemlich bekanntes Reiseziel, aber ganz ehrlich?

Das ist es absolut zu Recht! 

Häufig sind Touristenmagneten ja Touristenmagneten, weil sie einfach schön sind. Und wenn man sich dort dann von den ausgetretenen Pfaden fern hält, gibt's schon viel schönes zu entdecken.

Die Schrammsteine - nur eine von vielen beeindruckenden Felsformationen im Elbsandsteingebirge

Ist das zu glauben?

Und deshalb verschlägt es uns wieder und wieder hier her, und so auch im Sommer 2021, dieses Mal nach Hohnstein.

 

Auf dem Weg hier her haben wir festgestellt, dass mit unserem lieben Carlchen etwas nicht stimmt.

Irgendwas klingt anders als sonst, und sanftes Handauflegen offenbart: ein Radlager ist hin.

Also Werkstatt finden, die uns kurzfristig helfen kann…denn wir wollen ein paar Tage später weiter nach Rügen!

 

Wir haben Glück!

Nur ein paar Kilometer von unserem Campingplatz entfernt ist eine Werkstatt, die uns anbietet, noch am Abend unserer Ankunft den Schaden zu ermitteln.

Wir können sogar das Auto wieder mitnehmen, hinterher, was ganz praktisch ist…ist das Ding doch zeitgleich unser Wohn-und Schlafzimmer mit Kochnische und Minibar.

Einzige Bedingung der Werkstatt: der Wagen steht morgens um sieben wieder auf dem Hof, damit die Reparatur klappt, bevor mittags Feierabend und Wochenende ist.

Das haben wir nämlich völlig ausgeblendet! Urlaubsmodus, Wochentage aus! Verpassen wir den Termin, stranden wir, bis wieder Zeit für uns ist!

 

Warum ich das erzähle?

Weil ich gerne erzähle.

Und weil’s wichtig für den nächsten Morgen ist.

Weil's ein bisschen Nervosität verursachen wird.
Ich kann ja nicht einfach vernünftig sein und einfach 'ne ruhige Kugel schieben morgens.

 

Wir kehren also auf unseren Campingplatz zurück, machen’s uns gemütlich, haben einen entspannten Abend und schlendern zum Sonnenuntergang noch ein bisschen durch die Umgebung.

Eine bildhübsche Umgebung mit weiten Ausblicken und einem leuchtend roten Feuerball, der unter den Horizont taucht.

Da bekomme ich eine Idee:

Sonnenaufgang. Foto. Elbe mit Nebel drüber. Neues Video. Das wäre was.

 

Also beschließe ich, in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und auf den Gickelsberg zu wandern, von dem aus ich theoretisch einen guten Blick Richtung Lilienstein und Königstein haben sollte.

Ist ja nicht weit. 2,5 Kilometer sagt mein Gefühl.
Sollte easy drin sein, um fünf aufzustehen, dort hoch zu laufen, zu fotografieren und um sieben wieder zurück zu sein, sodass wir frühstücken können und der Wagen um acht bei der Werkstatt steht.

Locker.
Ganz locker!

Naja, also fast ganz locker...
Sind nämlich keine 2,5 Kilometer...
Das merk' ich aber erst, als ich auf dem Hügel ankomme.

Und das vor dem Frühstück. Manchmal ist Planung echt nicht meine Stärke.

Ich gehe los, den Hang hinauf. 

Es ist blaue Stunde, alles noch verschlafen und still.

Ich stelle die GoPro auf, um die erste Aufnahme zu machen, wie ich durch die Felder laufe.

Allerdings ist mir ein Anfängerfehler unterlaufen: Batterien nicht gecheckt. Fast nix drin.

An Ende reicht es nicht mal, um den Hinweg zu filmen.

Schade eigentlich, denn der Weg an sich ist schön zu gehen! Ich laufe über Feldwege an Kuhherden vorbei, aktiviere auf einem Grundstück, das ich passiere den biologischen Wecker auf vier Beinen und bin tatsächlich kurz vor Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Gickelsbergs.

Ich schaue in das Elbtal, der Fluss ist komplett von Nebel bedeckt, während das Umland beinahe völlig frei davon ist. Wunderschön anzuschauen.

Ich mache ein paar Aufnahmen, aber so recht überzeugen tut mich das Ganze nicht. Es sieht ganz nett aus...aber eben leider nur...ganz nett, irgendwie fehlt mir das goldene Licht der Sonne.

Dennoch genieße ich den Ausblick, schaue auf meine Uhr und

OH MIST, Ich sollte dringend zurück!

Knapp unterhalb des Gickelsbergs bietet sich schon ein ganz schöner Ausb

Ich packe meine Sachen zusammen, behalte meine X-T3 aber weiter in der Hand, und suche mir einen alternativen Weg, um vom Berg abzusteigen, ohne dem Hund erneut einen Grund zum Kläffen zu geben. 

Ich gehe durch den Wald und komme an einen Hang, an dem der Wald endet und die Aussicht auf die Landschaft freigibt. 

 

Die Sonne hat eben erst die Baumkronen erklommen, dünner Morgennebel liegt noch in der Luft, als ich diese kleine Baumgruppe sehe. 

Ich hebe die Kamera an‘s Auge, suche meinen Bildausschnitt 





*Klick* 

Eine wunderschöne Szenerie.

Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass ich kein Video aufnehmen konnte, weil ich Depp nicht die Akkus gecheckt habe…

Aber umso glücklicher bin ich über dieses Foto!

Ich stehe noch einen Moment dort, lasse den Blick über die Wiesen schweifen, als mir wieder einfällt…ich muss dringend zurück!

Wir haben da noch 'nen Werkstatttermin und der Hinweg war mit gut 5 Kilometern deutlich länger, als angenommen! So viel Zeit ist also wirklich nicht mehr!

So viel zum gemütlichen Frühstück!

 

Ich nehme die Beine in die Hand, den Hang wieder runter, vorbei am Biowecker, weil sich das doch nicht so recht vermeiden lässt, zurück an der Kuhherde vorbei über den Bergkamm und dann geschwind zurück zum Campingplatz!

Wir haben eine Werkstatt zu erreichen!

Geschafft! Das Auto wird repariert und wir können unseren Urlaub fortsetzen. Danke, Herr Forker!

Das war ein ziemlich anstrengender Morgen, muss ich sagen!
Und ja, vermutlich wäre es die vernünftigere Entscheidung gewesen, einfach auf dem Campingplatz zu bleiben, in Ruhe zu Frühstücken und ganz entspannt das Auto zum Doktor zu bringen.
Aber die bessere?

Das Foto ist bis heute...ich glaube, es ist tatsächlich mein Lieblingsfoto.
Darum ist's auch das Hintergrundbild meiner Startseite.
Und hängt zuhause an der Wand.

Was es übrigens auch bei dir kann, nur um am Ende doch noch unauffällig eine kurze Werbeeinheit für meinen Onlineshop zu platzieren.
Das will gelernt sein.



Kein Wunder, dass ich ständig früh aufstehe, um fotografieren zu gehen.
Klar, meistens wäre es im Bett schöner gewesen!

Aber ein Morgen wie dieser...

entschädigt für alles.

28.10.2022
 

Kleiderwechsel 

 

 

Es ist soweit! 

Die schönste Zeit des Jahres kommt…ach, was rede ich, sie ist längst hier!!! – mindestens für Draußen-Fotografen! 

Die Farben der Blätter wandeln sich und färben die Laubbäume wunderbar bunt. 

Die Sonne geht später auf und früher unter, sodass man selbst bei einer solide ausgeprägten Zuneigung der blauen und goldenen Stunde gegenüber die Chance auf so etwas wie ausreichend Schlaf hat. 

Der Regen der letzten Wochen hat der Landschaft zumindest etwas geholfen, sich von der langen Trockenheit zu erholen und beschert schön frisches Grün – oder eben Gelb und Rot.

 

Ich freu‘ mich da jedes Jahr drauf, kann es kaum erwarten. 

Warum damit dieses Jahr allerdings so ein rapider Fall der Temperaturen einher gehen muss…das weiß ich nicht. 

Ich hatte mich schon so sehr drauf gefreut, ein bisschen weniger verschlafen zum Sonnenaufgang an einem lauwarmen Herbstmorgen im Grünen…denkste! 

Kalt ist's geworden! 

 

Was soll’s, dann halt eine Jacke mehr und noch einen Tee in‘s Gepäck. 

Wobei…in den letzten Tagen ist’s ja nochmal richtig warm geworden…regelrecht bedenklich warm für Ende Oktober… 

Vor Kurzem war ich gemeinsam mit einem Freund, Maße von Maße's Design Photography, unterwegs, um im Okertal im Harz zu fotografieren (hier geht's zum Video auf Youtube). 

Und auch wenn es noch weitgehend grün war – der eine oder andere bunte Klecks war schon da und ich weiß genau, dass ich wirklich zusehen muss, dass mein nächster Ausflug dorthin nicht zu lange auf sich warten lässt.  

Denn ab jetzt kann man jeden Tag dabei zusehen, wie sich die Laubbäume mehr und mehr färben und dann ihr Blattwerk abwerfen.
 

Auch hier in Hannover: 

Hatte ich eben erst ein vereinzeltes gelbes Blatt fotografiert, während alles andere noch kräftig grün war, sind zwei Wochen später die Wege bereits gülden gesäumt vom Herbstlaub. 

Noch zwei Wochen und das Spektakel ist womöglich schon wieder rum! 

Da ging's gerade erst los, nur hier und da lag ein gelbes Blatt. So wie das hier, das mir ein wunderschönes Subjekt war.

Knapp zwei Wochen später ist das meiste Grün dem Gelb gewichen.

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber im Moment fühlt es sich so an, als können wir diesen Herbst noch ein bisschen genießen, bevor schlussendlich alles von den Bäumen fällt und der Winter vorbei kommt.
Das Ärgerliche ist nämlich, dass der Zeitraum zwischen "Blatt gelb" und "Blatt weg" häufig gar nicht so lang ist. Kein Wunder, die Blätter sterben ja praktisch ab und fallen dann runter.
Und bevor so ein Baum vollständig bunt ist, ist er meist schon irgendwo kahl und sieht nicht mehr schön aus.
Aber dieses Jahr...geht's irgendwie nicht so fix wie in den vergangenen, hab' ich das Gefühl.
Und das ist gut so, ich hab' noch die eine oder andere Idee, was ich vor die Linse bekommen möchte!
Schloss Marienburg, die Birken am Altwarmbüchener See, das Rathaus Hannover, der Georgengarten...
Es wird nicht langweilig!

Herbst in Hannover - einer wundervoll grünen Stadt!

Und hier zieht es mich irgendwie immer wieder hin, für einen kleinen Spaziergang mit Kamera: in den Georgengarten und an die Augustenbrücke.

05.10.2022
 

Fünf Schritte zurück - eine alte Dame auf Reisen 

 

 

Ich hatte versprochen, dass das hier kein Analog-Blog wird.

Und ich stehe zu meinem Wort!

Aber heute will ich doch nochmal drüber schreiben, denn ich habe beim letzten Mal auch versprochen, ein bisschen davon zu erzählen, wie es war, die Balda Juwella mit auf Reisen zu haben.

Ich habe endlich einen Film-tauglichen Scanner im Haus und ihn halbwegs im Griff!
(…halbwegs! Etwa bei der Hälfte der Bilder hier ist dann doch das Dia einfach abfotografiert.)

Das heißt jetzt kann ich auch endlich die Aufnahmen digitalisieren und online zeigen und das heißt jetzt können wir auch über die erste Reise mit meiner alten Dame reden.

Wer mir auf Instagram folgt, könnte in meinen Stories mitbekommen haben, dass die Gute uns mit nach Schottland begleitet hat.

Diesmal nicht mit einem Schwarz-Weiß-Negativfilm, sondern einem Dia-Farbfilm.

Sich für einen Film zu entscheiden ist nicht leicht, schlicht aufgrund der großen Bandbreite an Möglichkeiten. Ich wollte gern eine Vorahnung haben, wie die Bilder aussehen würden und hab‘ deshalb die Filmsimulationen vom Fuji-X-Weekly-Blog durchstöbert, denn viele davon sind echten Filmen nachempfunden.

Meine Wahl ist schlussendlich auf Kodak Ektachrome E100, gefallen. Da die einzelne Rolle hier schon bei c.a. 15 € liegt (fleißige Leser haben schon meinen Post zum Testlauf gelesen und erinnern sich, dass eine Rolle ganze 8 Auslösungen bereithält), sollten mir zwei Rollen für diese Reise reichen.

 

Wenn man eine solche Tour unternimmt und Fotos mit nachhause bringen möchte, dann möchte man nach Möglichkeit sicher gehen, dass die Fotos auch gut werden.

Mit einer zeitgenössischen Kamera wie meiner Fujifilm X-T3 ist das verhältnismäßig einfach:

Man bekommt so ziemlich, was man auf dem Display sieht, zuzüglich etwas Entwicklung und dem, was einem der kreative Geist noch bescheren mag.

Nimmt man aber für seine Fotos eine Filmkamera – noch dazu eine, bei der man den Bildausschnitt höchstens schätzen oder über längere Zeit ein Gefühl dafür entwickeln kann – dann wird jedes Bild zu einem Abenteuer. Zu einem Projekt, dem man wesentlich mehr Zeit widmet, als man üblicherweise auf ein Foto verwenden würde.

Die Fotos aufzunehmen war ähnlich spannend, wie mein Testlauf mit der Balda Juwella. 

Denn nach Schottland fahren wir ja auch nicht jeden Tag. 

 

Im Zuge meiner Aufnahmen, wobei die erste auf der Reise nicht meine, sondern Milas war – die Forth Bridges, habe ich zwar die eine oder andere gute Aufnahme machen können…aber oft genug hat’s auch nicht geklappt: 

Mehr als ein Mal habe ich den Bildausschnitt verbockt, falsch belichtet, den Fokuspunkt falsch gesetzt… 

 

Es ist halt ein Stück weit auch eine Gefühls- und Erfahrungssache. 

Der Belichtungsmesser (oder eben meine App) hilft schon recht zuverlässig, die Aufnahme korrekt zu belichten, aber Entfernungen für das Fokussieren einzuschätzen fiel mir fast so schwer, wie mit dem Brillantsucher den richtigen Bildausschnitt zu finden. 

Vielleicht hätte es auch geholfen, ein Stativ zu verwenden und es nicht alles frei Hand zu machen. 

 

Als wir am Neist Point Lighthouse waren, hab‘ ich ein wirklich schönes Foto aufgenommen! Leider ohne Spitze vom Berg. 

Die Ardbeg-Distille fällt ebenso aus dem Bild. 

In Oban habe ich die Stadtpromenade fotografiert und dabei penibel drauf geachtet, dass der Bildausschnitt stimmt. Und das hat prima geklappt! Nur hatte ich nicht richtig fokussiert. Und als ich die Aufnahme mit korrektem Fokus erneut gemacht habe (und es kostet Überwindung, ein Foto zur Sicherheit nochmal zu machen…wie gesagt: für den ganzen Urlaub nur 16 Frames), hab‘ ich…den Bildausschnitt verbockt. 

Tja, schön wär's gewesen, das Neist Point Lighthouse! Wenn doch nur der Berg mit drauf wäre!

Köstlicher Whisky, grauenhafte Komposition!

Schöne Komposition, aber leider nicht scharf...

Schön scharf, aber irgendwie daneben gezielt

Der Old Man of Storr hat aber geklappt (wenn auch einbisschen überbelichtet)! Genauso die Forth Bridges, die Mila fotografiert hat, Mila an den Clashnessie Falls und unser lieber Carl, unser rollendes Hotelzimmer auf den Fidden Farm Campsite.

Und über die freue ich mich ganz besonders, denn es hat schon etwas Faszinierendes, diese Bilder anzugucken und zu wissen: die Kamera, mit der die aufgenommen wurden, ist 84 Jahre alt.

Analoge Filme haben eben ihren ganz eigenen Charme.

Wenn ich jetzt noch etwas Übung bekomme, die Scans dann nachzubearbeiten, sodass sie auch dem Dia entsprechen, steht einer glorreichen Zukunft mit der Kamera aus der Vergangenheit nichts mehr im Weg!

Die erste Auslösung in Schottland oblag Mila - da hat alles geklappt!

Die alte Dame fotografiert den alten Mann - man könnte noch etwas nacharbeiten, das Bild ist wirklich ein bisschen zu hell...

Carl der Große auf der Fidden Farm Campsite - eins meiner liebsten Fotos

Mila vor den Clashnessie Falls

Ein neugieriges Schaf wirft ein Auge auf uns

21.08.2022
 

Fünf Schritte zurück - und jetzt? 

 

 

Ich möchte heute ein bisschen was von meinem Testlauf mit der alten Dame erzählen.

Im letzten Blogpost, „Fünf Schritte zurück – liebe Grüße an Oma!“, hab‘ ich ja geschrieben, dass ich einen Testlauf vor mir habe.

Heute möchte ich dir erzählen, wie der so abgelaufen ist und was passiert ist, als der Schwarz-Weiß-Film voll war.


Das hier wird kein Analog-Blog. Zumindest ist das nicht der Plan. Aber der Blog erzählt, was mich, hauptsächlich in Bezug auf die Fotografie, so umtreibt. Und im Moment find‘ ich das Fotografieren mit dieser alten Kamera einfach unfassbar spannend.

Es ist Donnerstag Abend und die Sonne so langsam auf dem Weg Richtung goldene Stunde. Nicht, dass die Farbe bei schwarz-weiß eine große Rolle spielen würde, aber ich mag, wie in solchen Verhältnissen das Licht durch das Blattwerk der Bäume fällt.

Ich radele in die Ricklinger Masch, da gibt’s Grün und Natur und es ist nicht so weit weg von Zuhause.

 

Mein erstes Motiv hatte ich schon früher gefunden: dicke Steine im Fluss direkt beim Parkplatz an den Kiesteichen, den man aus Ricklingen erreicht.

Mit der X-T3 hatte ich hier schon früher fotografiert, deshalb habe ich sogar in etwa einen Ausschnitt vor Augen und stelle mein Stativ auf, richte die Balda Juwella ein.

Die gute hat keinen Belichtungsmesser, dafür nutze ich eine App namens „Light Meter“ (nicht kreativ, aber unmissverständlich) von WBPhoto. Simpel aufgebaut.

Man wählt den Film, den man eingelegt hat (die meisten Filme sind in der Datenbank vorhanden), und wählt die Blendenöffnung und erhält den passenden Belichtungswert.

Da die Balda Juwella nur drei vorgesehene fixe Belichtungszeiten hat, 1/25, 1/50 und 1/100 s, muss ich also schauen, mit welcher Blendenöffnung ich überhaupt zurechtkomme.

Entfernung zum Subjekt schätzen und Linse darauf fokussieren.

 

Und dann kommt das, was wirklich wichtig ist, und aufregend:

Den richtigen Moment abwarten.

Denn, wie bereits erwähnt: jede Auslösung kostet bares Geld, und es sind nur echt wenige Auslösungen auf so einem Film!

Ich stehe neben meinem Stativ und beobachte, wie das Licht, die Sonne wandert. Ich möchte einige Lichtflecke auf den Steinen haben, in der Hoffnung, damit die Augen leiten zu können.

Bei Schwarz-Weiß sind Texturen und Licht das wichtigste.

Ich verpasse einen Augenblick , in dem die Steine beleuchtet werden und ärgere mich. Es wird einen Moment dauern, bis die Sonne wieder so durch die Blätter scheint, dass die Steine etwas abbekommen. Sie muss erstmal weiter rumwandern.

Einige Minuten vergehen.

Eine Viertelstunde.

Eine halbe.

Immer wieder schaue ich durch den Brilliantsucher, weiterhin unsicher, ob ich überhaupt den Ausschnitt treffe, den ich will.

Landschaftsfotografie erfordert ohnehin schon Geduld. Aber wenn man dann ganz sicher sein möchte, dass der Schuss im richtigen Augenblick passiert, ohne einen Klick riskieren zu können…

Irgendwann ist die Sonne weit genug gewandert und ich beschließe: jetzt ist der Moment: jetzt betätige ich zum ersten Mal den Hebel, der der Auslöser ist.

Ein kaum spürbares, kaum hörbares Klicken im Inneren der Kamera.

Ich bin aufgeregt. Solch eine Spannung, und dann nur so ein leises „Klick“

Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Aber es ergibt Sinn! Jede Vibration überträgt sich ja natürlich auch auf Linse und Film und bedeutet die Gefahr, das Bild zu verwackeln!

Raus in's Grüne, ausprobieren!

Mit meiner X-T3 habe ich dieses Foto gemacht und direkt ausprobiert, wie das Endergebnis  mit der Juwella aussehen könnte.

Die erste Auslösung ist geschafft.

Ich drehe den Film weiter und begebe mich auf den Weg, sieben weitere zu machen. Von denen ich drei übrigens doppelt mache, weil ich so grandiose Anfängerfehler mache, wie nicht auf den Fokus achten oder die Kamera nicht so weit aufklappen, dass sie einrastet.

Aus eigener Erfahrung kann ich jetzt also berichten, dass dadurch die Linse schief steht und sich das auf die Fokusebene auswirkt.

 

Aber immerhin, ich habe mächtigen Spaß bei dem Testlauf. Ich weiß an diesem Punkt noch nicht, ob alles klappt, oder nicht, aber das ist mir auch mehr oder weniger egal. Es macht einfach Freude.

 

Ich habe sieben Auslösungen hinter mir. Der Film ist voll.

Aufrollen, aus der Kamera nehmen und weg zur Entwicklung.

Die Blaue Brücke an den Ricklinger Kiesteichen, ein weiteres Motiv für meinen Testlauf

Und noch eine Probeaufnahme mit der X-T3

Aber wer entwickelt heute noch solchen Film?

Neben dem Fotolabor deiner Wahl tatsächlich sogar deine Drogerie des Vertrauens!

Ich habe dafür eine Rossmann-Filiale gewählt, weil ich zumindest von dem Unternehmen schon früher meine Filme habe entwickeln lassen und damit zufrieden war.

Ob sie ein eigenes Labor haben, oder nicht, weiß ich nicht, vermute aber, dass sie nur Vermittler zwischen Kunden und Labor sind.

 

Ich habe auf der Filmtasche angegeben, dass der Film bitte nur entwickelt und nicht geschnitten werden sollte.

Sobald ich einen Scanner habe, möchte ich selber aussuchen, was ich gescannt und dann gedruckt haben möchte.

Ich war gespannt, ob der Film noch entwickelt und dabei diese Wünsche berücksichtigt werden würden und wie lange das ganze dauert.

Der tägliche Blick in den Auftragsstatus war Programm und nach gut zwei Wochen kam die Meldung, der Film habe das Labor verlassen.

Bei der Abholung in der Drogerie dann die freudige Erkenntnis:

Der Film ist einwandfrei entwickelt, nicht geschnitten, sondern aufgerollt zum Schutz in eine leere 35mm-Filmdose gesteckt (passt nicht ganz, bietet aber zumindest etwas mehr Schutz) und sehr zu meiner Freude würde auch der Wunsch, keine Fotos davon zu drucken berücksichtigt. Die hatte ich sonst noch mit bezahlen müssen, ohne sie zu wollen.

So hat mich der Spaß (Stand Juli 2022) gerade mal 3.50€ gekostet. 

Der Film geht einfach in die Entwicklungstasche

Meine Sonderwünsche in den Anmerkungen wurden einwandfrei erfüllt.

So habe ich den Film zurückbekommen: ungeschnitten, aufgerollt in einer leeren Filmdose.

Was jetzt fehlt, sind die Fotos in Digital auf meinem Rechner, damit ich sie bei Bedarf drucken kann.

Wie man auf analogem Weg von einem Negativ-Dia zu einem positiven Druck kommt, weiß ich nicht.

Auf digitalem Weg ist der nächste Schritt üblicherweise ein Negativ-Scanner, der die Aufnahme digitalisiert.

Aber so ein Gerät habe ich nicht. Noch nicht. Ich arbeite dran. Trotzdem konnte ich nicht warten, bis ich die Negative gescannt bekomme und habe mir eine möglicherweise etwas unorthodoxe, aber zumindest funktionierende Möglichkeit überlegt:

Ich hab‘ einfach mein Smartphone als Lichttisch benutzt und das Scannen meiner X-T3 überlassen!

Natürlich liegt das negativ nicht perfekt flach auf, auch wenn ich es liebevoll mit Tesafilm am Telefon fixiert habe.

Aber es hat funktioniert!

Ich habe die einzelnen “Dias“ auf den weiß leuchtenden Bildschirm gelegt, festgeklebt, meine Kamera mit Stativ möglichst senkrecht darüber platziert und dann fotografiert.

 

Wie gesagt: mächtig zurecht gepfuscht, aber es hat geklappt!

 

Die Fotos habe ich dann einfach von der Kamera auf mein Smartphone geschickt und, weil es ja Negative waren, mithilfe der App „Negative Image“ von firisoft in’s positiv umgekehrt.

Sobald ich einen Scanner habe, nur ich dafür sicherlich meinen Rechner, aber um meine Neugier zu stillen, sollte mir dieser Weg reichen.

In der Galerie hier drunter siehst du einige der Negative, abfotografiert und auf's Telefon gesendet, und die jeweiligen Positive, gegebenenfalls mit ein bisschen fixer Entwicklung in Snapseed.

So sieht der fertig entwickelte S/W-Negativfilm aus

Unorthodox, aber gerade gut genug, um die erste Neugier zu stillen, bis ein richtiger Scanner im Haus ist.

Erleichterung.

Die Kamera funktioniert.

Und wie es aussieht, hat sie keine Löcher im Faltenbalg und belichtet korrekt.

 

Jetzt gilt es, zu lernen, den richtigen Ausschnitt zu finden und die Fokus-Entfernung richtig einzustellen.

Und um das zu üben werde ich die alte Dame künftig etwas öfter ausführen.

Die ist inzwischen schon mit uns nach Schottland gefahren und hat dort die ersten zwei Filme Kodak Ektachrome 100 belichtet.

Die Dias sehen soweit gut aus, aber darum soll es ein anderes Mal gehen.

Der Artikel ist schon lang genug und vermutlich der längste, den ich je verfasst habe.

Respekt für’s durchlesen!

 

Tl;dr:

Kamera funktioniert, ich bin glücklich!

19.06.2022
 

Fünf Schritte zurück - Liebe Grüße an Oma! 

 

 

Ich habe, seit ich auf Digital umgestiegen bin, nie wieder einen Gedanken daran verschwendet, die analoge Fotografie nochmal anzugehen.

Warum auch? Ich habe mit der manuellen Einstellung meiner digitalen Kamera ja alle Herausforderungen, die mir analoges Fotografieren stellt, gepaart mit den Vorzügen einer Live-Vorschau und einem umgehenden Ergebnis, bei dem ich auf den Erfolg kontrollieren und bei Bedarf ohne Risiko korrigieren kann.

Und ich kann mitten im Prozess die ISO bzw. nach alter Bezeichnung ASA wechseln und bin nicht einen ganzen Film lang an eine Empfindlichkeit gebunden.

Warum sollte ich also ein Verfahren wieder aufgreifen, das teuer, langsam und risikobehaftet ist?

 

Weil ich Geburtstag hatte.

Weil ich Geburtstag hatte und meine Mutter mir ein wirklich schönes Geschenk gemacht hat:

Eine Balda Juwella aus (sofern meine Recherchen stimmen) dem Jahr 1938. 

Zusammengefaltet ist sie tatsächlich recht kompakt

Ein Knopfdruck und die Kamera - Achtung, Flachwitz: entfaltet ihre ganze Schönheit

Es fühlt sich an, als wäre die Kamera gebaut worden, um in Portrait-Orientierung genutzt zu werden.

Die Kamera gehörte meiner Großmutter und hat meiner Mutter zufolge viele, viele Urlaubsreisen begleitet.

Ich hab‘ etwas übrig für alte Technik, Ingenieurskunst und traditionelles Handwerk.

Ich arbeite nicht umsonst in einer kleinen Schmiede und habe auch an meinem Meisterstück (das kannst du dir hier angucken) noch einige Ornamente mit Feuer, Hammer und Amboss hergestellt.

Und so kommt es, dass mich diese alte Balgenkamera fasziniert und ich zumindest versuchen will, ob sie noch ihren Dienst tut.

 

Es war sogar noch ein Schwarz-Weiß-Film eingelegt, der die letzten…ich kann nur schätzen…15? 20 Jahre vielleicht? nicht mehr beachtet wurde. 

Ob hier noch Erinnerunge drauf festgehalten sind? Ich hoffe, der Film lässt sich noch entwickeln...

Ich habe ein bisschen recherchiert, ob es noch möglich ist, solche Filme entwickeln zu lassen und habe voller Freude feststellen können: Ja! Selbst in der freundlichen Drogerie von nebenan! Oder in einem Fotostudio, das diesen Service noch anbietet.

Ich werd' den Film in den kommenden Tagen mal zur Entwicklung geben und bin gespannt, ob da noch etwas verwertbares drauf ist.

 

Ich habe die Kamera erstmal auf Funktion geprüft, soweit ich das so konnte, also Schieberegler, Knöpfe etc. bewegt und geschaut, ob sie tun, was sie sollen. Die Blendenöffnung kontrolliert, und ob die Lamellen der Blende sich einwandfrei bewegen.
Ich habe die Linsen soweit ich konnte gereinigt und bis auf ein paar Flecken auf der Beschichtung auch hier keine größeren Mängel festgestellt. Also gilt es jetzt, herauszufinden, ob die Kamera auch noch Fotos aufnimmt, wenn man sie benutzt, wie man soll.
Ich habe einen neuen Film gekauft - erstmal einfach Schwarz-Weiß, ISO400 - damit ich nicht allzu viel Geld riskiere, sollte doch etwas nicht klappen, und bin heute mit dem Faltenbalg vor die Tür gegangen. 


Das war ganz schön spannend! 
Zwei Dinge haben mich besonders gefordert:
die korrekte Belichtung finden und eine Komposition korrekt einzurichten.
Um die gewünschte Belichtung zu finden hab' ich einerseits eine App getestet, die einen Belichtungsmesser darstellen soll, und zur Sicherheit meine X-T3 als Belichtungsmesser genutzt, will heißen: ISO400 eingestellt und dann mit der Blende geschaut, ob ich eine der drei möglichen "automatischen" Belichtungszeiten 1/25 s, 1/50 s oder 1/100 s erreichen kann.
Ob das, und auch ob meine Versuche der Komposition geklappt haben...das werd' ich erst sehen, wenn ich den Film vom Entwickeln zurück habe.

Eine neue Rolle, erstmal nur zum Testen.

Geladen und entsichert

Ich nehme mir zwar auch, wenn ich digital losziehe vor, überlegt zu fotografieren, mir Zeit zu nehmen und nicht inflationär drauflos zu knipsen…einerseits, damit ich bewusster an die tatsächliche Aufnahme eines Fotos herangehe, andererseits, um einer potentiell unendlichen Datenflut entgegen zu wirken.

Ich hab' einfach keine Lust, stundenlang filtern zu müssen um aus einer Reihe nahezu identischer Aufnahmen die eine oder zwei herauszupicken, die es wert sind, entwickelt zu werden.

Aber unter diesen Bedingungen war das ganze nochmal etwas verschärft und ich habe wirklich jedes Mal viel Zeit drauf verwendet, wirklich das Motiv zu finden, das ich möchte, bevor ich abgedrückt habe.

Bei einem Preis von 10€ für eine einfache Rolle Schwarz-Weiß-Film – bei Farbe können es gern 12-20€ sein – da kostet mich mit meinem neuen alten analogen Schmuckstück die einzelne Auslösung bei gerade mal 8 pro Film schon zwischen 1,25 und 2,50€. Und davon ist noch nichts entwickelt, gescannt oder bearbeitet, von einem möglichen Druck mal ganz zu schweigen.

Unterm Strich ist analoge Fotografie also mindestens genauso kostspielig, wie digitale Fotografie – je nach Ausrüstung und Hang dazu an G.A.S. ( Gear Acquisition Syndrome ) zu erkranken, dabei aber wesentlich risikoreicher und langsamer.

 

Aber ich habe schon öfter gehört und gelesen, dass gerade das dabei helfen soll, sich mehr Zeit zu nehmen, mehr zu konzentrieren und den Auslöser wirklich erst zu drucken, wenn man der Meinung ist, alles stimmt.

Ich meine, herrje, die Balda Juwella hat, wie zum Fertigungszeitpunkt üblich, einen Brilliantsucher!

Bis vor Kurzem wusste ich nicht einmal, dass es so etwas wie einen Brilliantsucher gibt!

Durch diesen Sucher einen Bildausschnitt zu sehen und einzurichten birgt einiges an Herausforderung!

Ich muss mich erstmal dran gewöhnen, dass ich nicht den genauen Bildausschnitt sehe und dass das Bild spiegelverkehrt und, zumindest glaube ich das, verzerrt ist!

 

Mal schauen, was das wird!

Ich bin gespannt und aufgeregt.

Ich hab' da richtig Bock drauf.
Danke Mama!

05.06.2022
 

Sleep is for the weak! 

 

 

Ein alter Spruch unter Fotografen, die vor allem die Natur fotografieren, lautet „Von 11 bis um 3 hat der Fotograf frei.“

Gemeint ist damit, dass das interessante Licht des Morgens um 11 dem platten, harschen Licht des Tages gewichen ist und selbiges bis 15 Uhr bleibt, bevor sich die Sonne daran macht, die goldene Stunde des Abends vorzubereiten.

 

Im Umkehrschluss bedeutet das: das schöne Licht ist dann, wenn man müde ist.

Klar, das ist keine universelle Aussage, die auf jeden zutrifft, aber wie viele Menschen kennst du, die sagen „Ach so ein bunter Sonnenaufgang ist mir eigentlich Wurst.“ 

Wie viele, die den Blick in einen leuchtend orangenen Sonnenuntergang mit einem trockenen „Hm“ quittieren und wegschauen oder von einem klaren Sternenhimmel völlig unbeeindruckt sind?

Mir fallen da nicht so viele ein.

Keiner, glaube ich.

 

Das schöne Licht einzufangen bedeutet häufig, früher aufzustehen, als die Sonne, und später schlafen zu gehen.

Und die, die auch noch gern den Sternenhimmel fotografieren, können sich das mit dem nachts schlafen eigentlich völlig schenken.

 

Vor kurzem waren Mila und ich auf Baltrum.

Wir fahren dort mit dem Arbeitskreis Baltrum hin und kümmern uns da um die Mannschaftszelte für die Freizeitmaßnahmen, die im Sommer dort stattfinden (mehr Infos dazu findest du auf http://www.jbs-baltrum.de/) und um allgemeine Instandhaltungsmaßnahmen für das Zeltlager.

Natürlich hat sich die Pandemie auch auf die Maßnahmen ausgewirkt, und so waren wir selbst zweieinhalb, fast drei Jahre nicht auf der Insel. Wofür Zelte aufstellen, wenn keiner drin schläft?

Für gewöhnlich arbeiten wir den Freitagabend (sofern wir früh genug anreisen können), den Samstag und Sonntagmorgen, wenn noch Reste über sind. Mittags gibt es eine Mittagspause, bei der wir immer vor einer der schwersten Entscheidungen des Wochenendes stehen:

Eine Runde auf’s Ohr hauen, oder doch an den Strand? Denn für beides reicht die Zeit nicht. Ich bin wirklich, wirklich gerne am Strand…aber ich schlafe auch nirgends so gut, wie hier, in diesem Camp.

In unserem Caddy vielleicht noch, aber besser als hier auf Baltrum?

Niemals.

 

Deshalb hatte ich mir für dieses Wochenende auch fest vorgenommen, Sonntagmorgen auszuschlafen, oder sagen wir, wenigstens zu schlafen, bis es Frühstück gibt.

Abends Lagerfeuer, einen Whiskey zum Feierabend und dann richtig gut und lange schlafen.

Aber die Insel hatte anderes im Sinn.

Ich bin um sechs Uhr morgens wach geworden, von ganz alleine.

Als mir das am Samstag passiert ist, habe ich aus dem Fenster des Hauptgebäudes, in dem wir an diesem Wochenende geschlafen haben, geschaut und habe dicke, graue Wolken gesehen. „Gut so“, habe ich mir gedacht, und habe noch etwas weitergeschlafen.

Aber Sonntag? Das Frühstück sollte etwas später sein, also hätte ich auch länger schlafen können. 

Der Blick aus dem Fenster bot mir aber keineswegs schlechtes Wetter oder gar eine geschlossene Wolkendecke.

Es gab einzelne Wolken unterbrochen von freiem Himmel und zu allem Überfluss schönsten, dicken Morgennebel, der in den Dünen und im Camp lag.

Morgens um Sechs auf Baltrum - ein Blick, der einen um den Schlaf bringen kann...

Ich habe mich nochmal hingelegt. 

Ich hatte mir ja vorgenommen, auszuschlafen. 

An die Gattin gekuschelt, dann auf den Rücken gedreht und die Decke, die noch von mir selbst kuschlig warm war, bis zur Nase hochgezogen. 

Augen zu. 

 

 

 

Augen auf. 

 

 

 

Ich wusste ganz genau, dass ich jetzt nicht wieder einschlafen könnte. 

Dafür waren die Bedingungen einfach zu gut! 

Also hab‘ ich mir meine Sachen geschnappt, der Liebsten einen Kuss auf die Stirn gegeben und versichert, zum Frühstück wieder zurück zu sein. 

Dann bin ich raus, durch das Camp und dann den Weg durch die Dünen zur großen Aussichtsdüne. 

Schon unterwegs habe ich ein paar interessante Motive gesehen, wie einen einzelnstehenden Baum im Nebel, oder den Pfad zur Jugendbildungsstätte, der im Bodennebel verschwindet, während die Dächer der JuBi und der Aussichtsturm gerade aus ihm herausragen. 

Aber als ich die Aussichtsdüne hinaufging und ich so langsam über den Nebel kam, offenbarte sich mir das schönste Motiv: 

Die Jugendbildungsstätte in den Dünen, zwischen denen der Nebel lag. 

Ein einsamer Baum in den Dünen...es könnten auch Berge, statt Dünen sein.

Die Jugendbildungsstätte im Morgennebel

 Ich ging weiter auf die Aussichtsdüne hinauf, aber so langsam begann die bereits am Himmel stehende Sonne, den Nebel aufzulösen. 

 

Ich habe von dort oben noch ein Panorama aufgenommen, von dem ich aber letztendlich nicht allzu überzeugt war. 

Das Licht schien mir so langsam zu flach und zu harsch zu werden, der Nebel verschwand langsam, also beschloss ich, wieder von der Düne herunterzugehen und meinen Weg durch den kleinen Buchenwald Richtung Strand fortzusetzen. 

Doch ein Fasanenhahn hatte es auf mich abgesehen. 

Er wartete bereits auf mich, so schien es, um das schöne Motiv mit der Jugendbildungsstätte in denn Dünen noch besser zu machen. 

Ich konnte mein Glück kaum fassen! Dort saß er, neben einem Strauch direkt vor mir, mit dem Zeltlager im Hintergrund. 

Ich hielt die Kamera bereit und habe mich langsam angeschlichen. Ich wollte ihn auf keinen Fall verschrecken und habe gehofft, er würde nochmal rufen.
 Denn das wäre das Sahnehäubchen! 

Jeder, der schonmal auf Baltrum war, kennt den Ruf. Dieses charakteristische (ich hab‘ extra bei Wikipedia recherchiert) „GÖ-GÖCK“ hat uns alle schon mal aus den Schlafsäcken geholt! Es ist durchdringend, nicht besonders schön und wirklich jeder hat es verinnerlicht. Manche antworten sogar darauf. 

Und er hat es getan und ich war schnell genug, abzudrücken! Im Hintergrund dank Blende 11 und 80 Crop-Sensor-Millimeter eine Jugendbildungsstätte, die gerade so unscharf ist, dass es einen interessanten Backdrop gibt, aber scharf genug, um erkennbar zu sein und im Vordergrund der Fasan im Ruf mit schlagenden Flügeln! Wenn du genau hinsiehst, kannst du sogar den kondensierenden Atem erkennen! 

Was für ein Glück! Ich bin ja kein Tierfotograf, aber hier gehört der Fasan einfach dazu!

Ich konnte mein Glück kaum fassen und war mir recht sicher, dass das Bild heute nicht mehr getoppt würde.

Meinen Spaziergang wollte ich trotzdem fortsetzen, ich hatte ja noch ‘ne halbe Stunde Zeit.

Kurz vor dem Buchenwald hab‘ ich noch einen Baum im Gegenlicht gefunden und versucht, mit schön geringer Tiefenschärfe von seiner Umgebung abzuheben, aber die Sonne stand schon zu hoch, das schöne Licht war Vergangenheit.

Noch ein Schnappschuss hier und da, dann bin ich zurück in’s Camp und zum Frühstück.

Ein bisschen müde, aber wäre ich nicht so früh aufgestanden und losgezogen, wäre ich niemals mit diesem großartigen Foto nachhause gekommen!

 

Und so ist das! Für die schönsten Landschaftsfotos muss man dann raus, wenn man eigentlich schlafen will!

Deshalb bin ich auch gestern um vier aus den Federn und werde das morgen wieder tun!

Für ein Foto für das ich genau zum Moment, in dem die Sonne über den Horizont steigt, schon vor Ort sein muss. Also um fünf. Mit etwas Reserve für den Fußmarsch vom Auto aus und zum Einrichten. Also am besten um Halb Fünf ankommen.

Ein Foto von dem Morgen gibt’s hier schonmal als Vorgeschmack, den Rest gibt es dann hoffentlich in einem der nächsten Videos…wenn ich mit ihnen zufrieden bin.

Also mal fix zu YouTube und meinen Kanal abonnieren und ein bisschen Geduld mitbringen, von mir gibt’s nur ein Video im Monat und ich habe noch ein bisschen Vorlauf.

Eine kleine Vorschau auf ein kommendes Video - ein Morgen bei Arnum

Schlaf ist für die Schwachen.

Ob das jetzt körperliche Schwäche meint, oder aber geistige, weil man schon ein bisschen bekloppt sein muss, um sowas andauernd zu machen, das lasse ich mal Gegenstand der Diskussion sein und genieße jetzt erstmal noch ein wenig, mitten am Tag im Halbschatten in meiner Hängematte zu liegen.

Irgendwann mal faulenzen muss nämlich auch sein.

Mein Lieblings-Hängemattenplatz

So lässt es sich aushalten und diesen Blogpost schreiben!

28.04.2022
 

Neue Bilder im Shop / Raus aus der Komfortzone 

 

 

Es gibt zwei neue Bilder in meinem Shop! 

 

Ich habe keinen Plan dafür, wie oft das passiert. Ich habe ja auch keinen Plan dafür, wie oft ich ein Portfolio-Stück produziere. 

Ich hab‘ höchstens einen Plan, wie oft ich mir wünsche, ein Portfolio-Stück zu produzieren, aber das ist einfach: 

Am liebsten jedes Mal 😉 

Das passiert natürlich nicht, genauso wenig, wie ich in meinen Videos jedes Mal traumhafte, beeindruckende Kunst kreiere. 

 

Darum geht’s ja aber auch gar nicht…oder nicht vorwiegend. 

Natürlich geht's mir drum, schöne Fotos zu machen. Fotos, die mich bewegen, die mir ein gutes Gefühl geben, wenn ich sie angucke. Fotos, die mich beruhigen und zum Träumen anregen. 

 

Aber gelegentlich, wenn ich raus gehe, tue ich das nicht, weil ich einen bestimmten Plan verfolge, sondern weil ich es brauche. 

Mich überkommt ab und zu einfach das Bedürfnis, meine Kamera in die Hand zu nehmen und damit Dinge zu tun. 

Meine Frau merkt das dann daran, dass ich nicht ruhig auf der Couch sitzen kann, obwohl es ein einwandfrei ruhiger Sonntag ist, und ich die ganze Zeit überlege, wo ich mal hinkönnte, was ich fotografieren könnte. Ich habe dann keine bestimmte Vorstellung, was meiner Situation allerdings nicht unbedingt hilft, weil mir diese Ziellosigkeit gelegentlich die Laune verdirbt. Immer wieder das Gleiche sehen? Immer dieselben Wege ablaufen, hoffen, dass dieses Mal etwas Spannendes dabei ist, wobei ich oft genug enttäuscht wurde? 

Aber ich weiß, dass ich diesem Verlangen nachkommen muss, weil ich sonst abends unzufrieden bin und meiner Liebsten damit auf die Nerven gehe. Und weil ich doch weiß, dass es jedes Mal gut tut. 

 

Wenn ich dann losziehe, genieße ich es meist sehr. Ich mache mir keinen Druck, zu fotografieren, sondern lasse mich von meiner Neugier leiten. Sie wird mich, das hat die Vergangenheit gezeigt, früher oder später zu einem Motiv führen, das ich interessant finde. 

Ich bin noch nie los gegangen und hinterher zurückgekehrt ohne ein einziges Mal auf den Auslöser gedrückt zu haben. 

Dabei ist es unterschiedlich, was mein Interesse weckt. Sicher, mich reizt am ehesten die Schönheit der Natur, aber irgendwo in mir verbirgt sich scheinbar ein Street-Fotograf oder so. Denn ich habe auch Spaß dran, Momente einzufangen. Das kommt zwar selten vor, aber ab und zu. 

 

Vergangenes Wochenende bin ich zum Maschsee gelaufen, um dort zu schauen, was der Sonnenuntergang für mich bereithält. Die Natur blüht so langsam auf und es wird wärmer, und ich finde, es gibt wenig so entspannendes, wie einen Spaziergang an einem lauen Frühlingsabend. 

Also Rucksack auf den Rücken, ein kaltes Getränk in die Flosse und eins in den Lastenbeutel, um unterwegs nicht zu verdursten und ab dafür. 

 

Ich bin quasi mit Beginn der goldenen Stunde zuhause gestartet und war dank des blauen Himmels mit reichlich goldenem Licht gesegnet. Ich hätte mir einige Wolken gewünscht, die dem Himmel etwas Textur verleihen, aber man kann nicht alles haben. 

 

Ich habe unterwegs zwar das eine oder andere Mal die Kamera gezückt und hindurchgeschaut, aber erst als ich schon am Strandbad vorbei war und am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer hochgelaufen bin, habe ich wirklich etwas interessantes gefunden. Einen Kirschbaum in voller Blüte. 

Ich behaupte zwar, dass Blumen mich fotografisch nicht wirklich interessieren, aber ich muss zugeben...im richtigen Licht können es schon wirklich schöne Motive sein. 

So ging es mir mit dem wilden Mohn bei Arnum, der es sogar in meinen Shop geschafft hat, und so ging es mir auch mit dieser Kirsche. Meine 50 mm Festbrennweite sollte mir mit ihrer 1.8er Blende dienen. 

 

Das Foto ist zwar nicht überwältigend, aber sicherlich auch keins, für das ich mich schämen muss. 

Ich bin dann weitergelaufen, zur Löwenbastion. Hier habe ich die letzten Sonnenstrahlen genossen, aber keine wirklich schöne Komposition gefunden. Es ist ja nur mit einem schönen Motiv oder nur mit dem richtigen Licht nicht getan. Der ganze Bildaufbau muss stimmen, um ein besonderes Bild zu schaffen.

Also habe ich meinen Weg weiter fortgesetzt. Bis ich am Pier51 angekommen bin.

Und hier sollte ich mein schönstes Foto für den Abend schießen: den Steg voller Segelboote im roten Licht der gerade untergegangenen Sonne.

Zuerst habe ich einfach die Kamera auf’s Stativ gesetzt, weil ich mir vorgenommen habe, mich selbst zu entschleunigen, mir mehr Zeit dafür zu nehmen, meinen Bildaufbau auszuarbeiten.

Nach einigen kurzen Auslösungen habe ich den Rucksack dann abgesetzt und aufgerüstet:

Filter vor die Linse und Langzeitbelichtung. Dafür hat sich das Motiv einfach angeboten. 

Ein bisschen maritime Abendromantik.

76931

Glücklich darüber, einen möglichen “Keeper” geschossen zu haben (ich weiß nicht so recht, ob es ein deutsches, ähnlich griffiges bzw. eindeutiges Wort dafür gibt. Wenn du eins weißt: her damit!) habe ich mein Zeug zusammengepackt und meinen Spaziergang weiter fortgesetzt.

Kaltgetränk in die Pranke, Füße Marschrichtung Nordufer.

 

Hier erwartete mich die Überraschung des Abends:

Zwei Musiker, @SkiDs.1 und @nodding_beats (die Links führen zum jeweiligen Instagram-Profil) hatten es sich dort gemütlich gemacht, eine Box und zwei Synthesizer (glaube ich? Ich hab’ davon echt keinen Plan...Dinger für zum Fingerdrummen und Loopen) dabei und haben wirklich entspannte Musik gemacht.

Ich bin dran vorbei gegangen, aber ich habe mir Zeit gelassen.

Wer mich kennt, weiß, dass solche Musik wirklich nicht in meiner Playlist auftaucht...aber es war unheimlich entspannt und das hat sich sofort auf mich übertragen. 

Ich bin zuerst noch zum Sprengel-Museum, hatte dort eine Idee für ein Foto, eine Langzeitbelichtung der Kreuzung mit Lichtspuren der Autos in der Dunkelheit. Das hat aber nicht geklappt, weil die Gegebenheiten nicht zu der Vision in meinem Kopf gepasst haben.

Ich bin dann zurück an den Maschsee, zurück zur Musik und habe dort noch etwas verweilt.

Ich hatte ja eingangs erwähnt, dass ich gerne auch Momente einfange, und dies war so ein Moment: wie die zwei dort sitzen, es waren auch noch zwei Freunde dazu gekommen, und ihre Musik machen. Das Licht der Displays auf den Gesichtern dessen, der sie bedient und wie er Freude dran hat. Es hat mich etwas Überwindung gekostet, aber ich habe mir schließlich ein Herz gefasst und ihn, SkiDs, angesprochen, ob es für ihn in Ordnung wäre, wenn ich versuche, ihn zu fotografieren und das einzufangen – mit Hinweis darauf, dass ich mit so etwas echt keine Erfahrung habe, aber es wenigstens versuchen möchte.

 

Es hat sicher nicht geholfen, dass ich als Linse meiner Wahl erneut das 50 mm f1.8 Objektiv genommen habe. Schließlich ist das, geneigte Leser meines Blogs oder Zuschauer meines YouTube-Kanals werden sich erinnern: das Ding war nie für diese Kamera gedacht…es wurde sogar gebaut, weit bevor diese Kamera überhaupt entworfen wurde…die mit ihrem Crop-Sensor ihrerseits auch nicht ideal für Aufnahmen mit wenig Licht ist.

Dazu ein schlichter Bajonettadapter, damit es zwar an diese Kamera dran geht, aber nix mit Autofokus, Belichtungsmessung oder, Gott bewahre, Bildstabilisator!

Für jemanden ohne Erfahrung damit, Menschen im Dunklen zu fotografieren, wirklich nicht die besten Voraussetzungen.

Und was soll ich sagen?

Die Fotos sind allesamt nichts geworden! Alle unscharf, weil Fokus verbockt, verwackelt, weil ich zu lange belichten musste, um überhaupt etwas auf den Sensor zu bannen und verschneit wie Ende Januar, weil ich gewagt habe, den ISO-Wert bis an den Anschlag hoch zu schrauben.

Das ist sehr, sehr schade, weil ich diesen Moment wirklich gerne festgehalten hätte. 

Aber es hat mir Spaß gemacht! Und ich bin davon sicher nicht dümmer geworden! Und deshalb war es eine gute Idee.

 

Das war ein mächtig weiter Bogen, den ich da gemacht habe, nur um zu erzählen, dass es sich immer lohnt, raus zu gehen, auch wenn nicht immer ein Bild für die Ewigkeit entsteht und um dann zu sagen:

 

Aber diese zwei Bilder, “Durchatmen” und “Erste Blüte” sind wirklich schön geworden und deshalb möchte ich sie der Welt – dir, geschätztem Leser – zum Kauf anbieten.

Also wenn du einen großen, weißen Fleck auf deiner Wand hast, der geschmückt werden soll und dir ein kleiner Harzer Fluss oder eine blühende Kornelkirsche im goldenen Licht vorschwebt, dann schau‘ ruhig in meinem Shop vorbei. Und auch, wenn dir ein anderes Bild aus meinem Angebot zusagt.

 

Und wenn du es wirklich bis hier her geschafft hast, zu lesen:

Mit dem Gutschein-Code „ BLOGBONUS10 „ erhälst du in den nächsten 4 Wochen (also bis zum 26.05.2022) einen Rabatt von 10% auf deinen Bestellwert!

Wenn das nix ist!

13.04.2022
 

Meine wichtigsten Apps für die Fotografie und wie zuverlässig sie sind 

 

[Allem voran: das hier ist keine bezahlte Werbung, sondern einfach mein Erfahrungsbericht dazu, welche Apps mir wie nützen und wie zuverlässig sie das tun.]

Gerade in der Landschaftsfotografie ist man immer dem ausgeliefert, was Mutter Natur für einen bereit hält. 

Wolken, Sonne, Regen oder Stürme, Schnee, die Gezeiten. 

Wir können nichts davon beeinflussen, wir können nur nehmen, was wir geschenkt bekommen. 

 

Und ich sage bewusst „geschenkt“, denn schlechtes Wetter ist nicht gleich schlechtes Wetter, ganz im Gegenteil! 

Furioses Wetter bietet oft Chancen für beeindruckende Fotografien, nicht zuletzt, weil es selten vorkommt und das Spiel am Himmel für ständig wechselnde Bedingungen sorgt. Das birgt viel zu entdecken! 

 

Oft ist es auch kein wildes Geschehen, sondern schlicht die Seltenheit, mit der bestimmte Bedingungen auftreten. 

Deshalb finden wir farbenprächtige Sonnenauf- und -untergänge so schön anzusehen: ein seltenes Spektakel, vor allem verglichen damit, was wir üblicherweise für Sonnenauf- und -untergänge sehen. 

Viele stehen häufig erst mit oder gar nach dem Sonnenaufgang auf (gerade im Sommer, in dem die Sonne zu einer Uhrzeit aufgeht, die ich im englischen Sprachgebrauch häufig und zu 100% zutreffend als „Stupid o‘ clock“ bezeichnet sehe), sodass Sonnenaufgänge ein noch seltener beobachtetes Naturschauspiel darstellen. 

 

Zu gewünschten Bedingungen zur gewünschten Uhrzeit an einem gewünschten Ort zu sein hilft also gewaltig, schöne Fotos zu schießen, weshalb Landschaftsfotografen nicht selten auch Hobby-Meteorologen sind und sich daran versuchen, die besten Bedingungen für ein Foto zu ermitteln und dann vorherzusagen. 

Denn keiner von uns will um „Stupid o’ clock“ aufstehen und eine Stunde wandern, um dann festzustellen, dass das Wetter nicht mitspielt und man ganz entspannt hätte ausschlafen können. 

Wir Leute, die wir gern die Natur Fotografieren, haben ohnehin schon ein gestörtes Verhältnis zum Thema Schlaf – blaue Stunde, goldene Stunde, Sonnenübergänge, Astrofotografie, Gewitterstürme…eigentlich können wir nur bei geschlossener, trister, grauer Wolkendecke in Ruhe schlafen…und auch nur dann, wenn wir nicht gerne noch Portraits schießen und dafür die größte Softbox der Welt nutzen wollen. 

Aber Landschaftsfotografen sind meist eh nicht so auf menschlichen Kontakt aus, also geht das schon. 

 

Auf jeden Fall gleicht es aber einer Superkraft, die meteorologischen Bedingungen für ein Foto vorhersagen zu können, und um diese Fähigkeit zu bekommen gibt es da draußen eine ganze Reihe Apps für das Smartphone, durch die man sich durchprobieren kann. 

Ich habe mittlerweile ein System gefunden, mit dem ich für meinen Teil ganz gut klar komme. 

Es ist vielleicht nicht das beste System da draußen, aber es ist mir schon oft gelungen, vorherzusagen, wann es sich lohnt, mitten in der Nacht aufzustehen, obwohl man ausschlafen könnte. 

 

Google Maps, kostenlos 

 

Eignet sich hervorragend, um unbekanntes Territorium zu erkunden, ohne tatsächlich dort sein zu müssen. Klar, man sieht nicht jeden Baum und Strauch, aber es ist möglich, eine grundlegende Idee für die Gegebenheiten zu bekommen. 

Außerdem lässt sich damit der Verlauf der Sonne simulieren, womit man auch herausfinden kann, wo wann die Sonne im Bild sein könnte. 

Leider lässt sich das Wetter bis heute nicht simulieren, weshalb Google Earth nicht ausreicht. 

Zum Scouten benutze ich es aber gern. 

 

Sun Calculator, kostenlos verfügbar (eingeschränkt) oder 8,49€ mit vollem Funktionsumfang 

 

Vermutlich die bisher teuerste App, die ich mir für mein Smartphone geleistet habe, aber ein wirklich gutes Tool, um den Verlauf der Sonne und den Einfall des Lichts zu simulieren. 

Mit ihr kann man für einen beliebigen (die kostenlose Version ist leider nur auf das jeweils aktuelle Datum beschränkt) Tag und für einen frei auf der Karte gewählten Punkt sehen, zu welcher Zeit aus welcher Richtung die Sonne auf die Landschaft fällt. Dafür gibt es zum Einen eine 2D-Karte, auf der ein Beispielzylinder steht, anhand dessen man die Veränderung der Schattenrichtung und -länge sehen kann, gepaart mit Angaben über den Einfallswinkel. 

Zum anderen, und dieses Feature war der Grund, weshalb ich auf die Kaufversion gegangen bin, gibt es eine 3D-Geländesimulation, anhand derer man auch die Veränderung der Lichtverhältnisse im Terrain erkunden kann. 

Die dritte Option ist eine Live-Vorschau Mithilfe der Smartphone-Kamera. 

Hier öffnet die App die Kamera und versieht die Vorschau mit einem Overlay aus Sonnenverlauf, aktueller Position der Sonne, sowie Längen- und Breitengrade. Und auch hier lässt sich die Uhrzeit und das Datum ändern, wobei allerdings keine Anpassung der Lichtverhältnissen in der Kamera-Vorschau erfolgt. 

 

Die „Augmented Reality“, wie die Funktion von den Entwicklern beschrieben wird, nutze ich aber praktisch nie, weil zumindest bei mir das Overlay in den seltensten Fällen korrekt positioniert ist. 

Ob das ein Bug in der App ist, oder ob schlicht der Kompass in meinem Telefon spinnt, kann ich allerdings nicht sagen. 

 

Meteoblue, kostenlos (werbefinanziert) oder 2,99€/Jahr werbefrei und mit Widgets 

 

Mein neuer Favorit für Wetterbedingungen. 

Ich nutze die App bisher in der kostenlosen Version, da sie trotzdem sämtliche Funktionen bietet, die Werbung nicht allzu aufdringlich ist und ich kein Freund von Abo-Modellen bin (habt ihr gehört, Adobe?!?). 

 

Absolutes Totschlagkriterium für diese App: 

Prognose der Wolkendecke! 

Natürlich bietet sie noch weitaus mehr Funktionen wie Windrichtung, Niederschläge etc., aber für mich definitiv am wichtigsten ist, dass diese App grafisch darstellt, wann in welcher Höhe Wolken unterwegs sind! 

Das ist hochgradig wichtig, um zum Beispiel während des Sonnenaufgangs einen leuchtend roten Wolkenhimmel zu bekommen. 

Denn dafür möchte man ausschließlich in der obersten Wolkendecke Wolken über seiner Foto-Location haben. 

Ca. 60-80 km Richtung Sonne möchte man übrigens keine Wolken haben, damit die Sonne die über uns befindlichen Wolken überhaupt von unten anstrahlen kann. 

Um das zu ermitteln nutze ich aber noch eine weitere App. 

Meteoblue gibt seine Vorhersagen mit einer Wahrscheinlichkeit an, zwei bis drei Tage im voraus sind aber üblicherweise recht zuverlässig. 

 

Warnwetter, kostenlos (eingeschränkt) oder 1,99€ für vollen Funktionsumfang 

 

Mit diesem Programm schaue ich vor allem nach Lücken in der Wolkendecke, wenn ich zum Sonnenauf- oder -untergang losziehen will. 

Hier informiere ich mich auch über die Bewegungen von Wolken- und Niederschlagsfeldern, was nicht nur beim Fotografieren, sondern auch beim Wandern wirklich wichtig sein kann. 

Ich verlasse mich hier meist nur auf die nächsten 24 Stunden, die sind dafür aber umso genauer. Und dieser Vorlauf reicht zumindest, um eine Entscheidung zu fällen, ob man das Reich der Träume verlassen will, noch bevor man die schöne Prinzessin gerettet hat, oder erst danach. 

 

Clear Outside, kostenlos 

 

Die letzte App in meiner Auflistung, die übrigens keiner besonderen Hierarchie folgt. 

 

Clear Outside ist ein Geschenk der Astro-Community vorwiegend für die Astro-Community, aber sie nützt auch jedem anderen, der wissen will, was so am Himmel vorgeht. 

Gestalterisch wirkt die App recht nüchtern und wissenschaftlich, bietet dabei aber eine überwältigende Menge an Informationen. 

Zeitpunkt für Dunkelheit, blaue und goldene Stunde, Sonnenlicht, Mondphasen, Wolkendecke, Position der ISS, Temperatur, gefühle Temperatur, Taupunkt, Wahrscheinlichkeit für Nebel (die in meiner Welt übrigens noch nie zutreffend war!), Frost, Aurora-Aktivität und noch vieles mehr! 

Ich nutze die App hauptsächlich zur Ermittlung der Wolkendecke und kombiniere ihre Vorhersage mit der aus der meteoblue-App, um zu schauen, ob sie sich einig sind. Wenn ja, ist das ein guter Vorbote für eine zutreffende Vorhersage. 

Die Daten der Clear Outside-App sind in der Regel 3-4 Tage im voraus zuverlässig. 

 

 

Das sind meine Apps zur Wettervorhersage. 

Das System ist nicht 100% akkurat, aber das gibt es ohnehin nie, und mir hat es schon oft geholfen, ruhig auszuschlafen, wenn die Bedingungen wenig attraktiv aussahen, und früh raus zu kommen, wenn alles auf bombastische Voraussetzungen für einen beeindruckenden Sonnenaufgang hingewiesen hat. 

Wie zum Beispiel in meinem Video für April, in dem ich genau das geschafft habe: nach Auswertung der Apps früh aufstehen und tatsächlich einen Knaller-Sonnenaufgang genießen! 

Mit Hilfe von meteoblue, Clear Outside und WarnWetter konnte ich dieses Licht relativ genau vorhersagen. Leider nicht der schönste Vordergrund, aber dennoch ein schöner Morgen. Klick auf's Bild für's Video!

25.03.2022

Bilanz nach 4 Wochen Hannover in 50 mm

 

 

Ich hab‘ es versucht. 

Bei den Göttern, ich hab‘ es wirklich versucht. 

Aber es war beim besten Willen nicht leicht für mich. 

 

4 Wochen sind es jetzt, in denen ich zumindest hier in Hannover ausschließlich meine 50 mm Festbrennweite nutze, so lange ich im Stadtgebiet unterwegs bin. 

Und ist nicht so, dass diese Einschränkung dafür gesorgt hat, dass ich Fotografie plötzlich mit neuen Augen sehe, dieses Objektiv jetzt voll und ganz verinnerlicht habe und mich kaum bremsen kann, nur noch damit zu arbeiten. 
Ob es daran liegt, dass es eigentlich eine typische Portrait-Brennweite ist, Portraits aber eher nicht so mein Ding? Oder liegt es doch daran, dass ich mir Landschaft wünsche, die es hier in Hannover aber leider nicht gibt, und wegen dieser Erwartungshaltung stehe ich mir im Weg?
Das wäre dann ja aber unabhängig von der Ausrüstung...
 

Was habe ich bisher gelernt? 

 

Ich habe gemerkt, dass auf dem Crop-Sensor 50 mm schon verhältnismäßig eng sind. 

Die Brennweiten, die für Linsen angegeben sind, orientieren sich an Vollformatkameras, deren Sensoren eben genau so groß sind, wie einst der analoge Film (den’s zwar nach wie vor gibt, der aber bei Weitem nicht mehr so flächendeckend verbreitet ist). 

Eine Brennweite ist ein fixer Wert, unabhängig vom Sensor, der hinter der Linse verbaut ist. 

Das Bild, das auf der Sensorebene abgebildet wird, verändert sich nicht, sondern lediglich die Fläche, also der Bildausschnitt, der erfasst wird. 

Ein kleinerer Sensor bei gleichbleibender Brennweite hat den gleichen Effekt, wie gleichbleibende Sensorgröße bei größerer Brennweite. 

Und genau das ist der Knackpunkt: 

Denn ein Crop-Sensor, wie meine X-T3 ihn verbaut hat (und zugegeben auch alle anderen, die hier im Schrank liegen), hat einen sogenannten Crop-Faktor von 1.53 (dieser Wert variiert von Hersteller zu Hersteller, unsere Nikon-Maschinen haben vermutlich einen minimal anderen Wert). 

Hier mal ein Blick in meine Kamera mit dem APS-C-Sensor.
In Grün zum Vergleich die Größe eines Vollformatsensors.

Der Crop-Faktor ist eine Zahl, mit dem die Brennweite der Linse multipliziert werden muss, um das entsprechende Vollformat-Äquivalent zu erhalten. 

Was das bringt? Nur ein besseres Gefühl dafür, was man da vor sich hat, weil üblicherweise, wenn Brennweiten diskutiert werden, sich dabei eben auf Vollformat bezogen wird. Einen anderen Nutzen habe ich darin noch nicht gefunden. 

Mir hat es aber geholfen, zu verstehen, warum 50 mm sich, wie eingangs erwähnt, so „eng“ anfühlen. 

Denn 50 mm x 1,53 ergeben 76,5 mm effektive Brennweite, was schon eine ziemlich lange Brennweite ist und bereits in den Tele-Bereich reicht (der beginnt per Definition bei 60 mm), womit ein relativ enger Bildausschnitt verbunden ist. 
 

So. 

Noch alle dabei? Schön. 

Dann kommen wir jetzt zurück zu meinem Experiment. 

 

Ich bin also mit einem mächtig engen Bildausschnitt in der Stadt unterwegs und will nach Möglichkeit Landschaft fotografieren...weil mich das eben am meisten reizt. 

Es ist mir nicht leicht gefallen, mit diesem engen Bildausschnitt interessante Kompositionen zu finden. 

Für größere Bildausschnitte einer Szenerie muss ich schon recht weit davon entfernt sein, dafür ist die Stadt aber zu dicht bebaut. 

Das Rathaus in Gänze drauf bekommen? 

Wer mein letztes Video gesehen hat, erinnert sich vielleicht: ich hab‘ ganz am Ende des Maschteichs gestanden und mit 56 mm Brennweite gerade so die Brücke und noch einen halben Baum auf’s Bild bekommen. 

Um das ganze Rathaus ablichten zu können, hätte ich vermutlich wenigstens beim Sprengel-Museum stehen müssen – und dann wäre zu viel Bewuchs, zu viel Straße, zu viel Stadt im Weg gewesen und ich hätte zwar vielleicht das ganze Rathaus bekommen können, hätte dafür aber nix mehr davon gesehen. 

 

Und vor solchen Herausforderungen stand Ich andauernd: entweder mir verdeckt etwas mein Subjekt der Begierde oder ich kann nicht weit genug zurück gehen, um alles auf’s Bild zu kriegen. 

An sich kein uninteressanter Bildausschnitt, aber ich hätte gern etwas mehr Vordergrund gehabt. Dafür hätte ich aber weiter zurück gemusst und wäre wahlweise in das Lokal hinter mir gestolpert oder im Maschsee schwimmen gegangen. Und ja, das Bild ist beschnitten, aber das nur, um ein bisschen störendes Gestrüpp auszuschließen. Ich werd' das bald nochmal mit einer weiteren Brennweite ausprobieren.

Womit ich etwas mehr Erfolg hatte – nach dieser Aussage irgendwie vorhersehbar – waren Details, kleinere Subjekte.

Im Allgemeinen fällt es mir wesentlich leichter, solche Bilder zu komponieren, weil von vornherein weniger Komponenten das Bild ausmachen.

Dazu kommt, dass das Nikkor 50mm 1.8 ein echtes Bokeh-Monster ist, und mit der geringen Tiefenschärfe durch die große Offenblende ermöglicht, den Fokus noch besser dort hin legen zu können, wo man ihn haben möchte.

Oft ist mir die geringe Tiefenschärfe tatsächlich schon zu gering und ich schließe die Blende etwas, damit man auf dem Bild genug erkennt.

 

Und so habe ich also die Augen nach Details offengehalten und ein paar niedliche Szene und Motive gefunden.

Ein wildes Vogelhaus an den Ricklinger Kiesteichen. Wer mag das dort platziert haben?

Efeu, der als Nutznießer einen Baumstamm herauf wächst oder, mein persönlicher Favorit, die ersten Blüten eines Strauchs, den ich nicht näher benennen kann, weil ich eine 4 in Bio hatte, im Sonnenuntergang (Update: es ist die Kornelkirsche).

Letztere haben gute Chancen, der neueste Zugang in meinem Onlineshop zu werden.

 

Diese Brennweite, 50 Millimeter, ist eine klassische Portrait-Brennweite, auch wenn auf Crop-Sensoren der Ausschnitt etwas eng ist. Aber wenn man sie so benutzt und mit diesem Wissen im Hinterkopf auf Motivsuche geht, dann kann man schon sehr schöne Bilder machen.

09.03.2022

Makro ohne Makrolinse

 

Ich habe im Nachgang zu einem Foto, das ich kürzlich auf Reddit gepostet habe und meinem letzten Blogpost die eine oder andere Frage dazu bekommen, ob ich genauer auf das Equipment eingehen könnte, das ich für die Fotos benutzt habe.

Und da meine Liebste gerade ohnehin zuhause in Quarantäne steckt (zum Veröffentlichungszeitpunkt zum Glück den letzten Tag), isoliere ich mich aus Solidarität mit ihr zusammen, so lange ich nicht zur Arbeit muss.

 

Das bedeutet, dass ich sehr viel Zeit in der Wohnung verbringe, und nicht im Grünen.

Ich gestehe, deshalb habe ich unsere Wohnung als „kein Bestandteil des Hannoverschen Stadtgebiets“ definiert, damit ich, wenn ich mich schon an drinnen binde, wenigstens ein anderes Objektiv benutzen kann, als das Nikkor 50mm f1.8, auf das ich mich ja eigentlich für 4 Wochen beschränken wollte.

Deshalb ist das oben angesprochene Foto entstanden und deshalb gibt es heute einen etwas tieferen Einblick in meine, zugegeben recht unbeholfene, Makrofotografie.

Nimm meine Erfahrungen und Erläuterungen ruhig mit einem Gramm Salz, denn ich betreibe die Makrofotografie weder besonders häufig noch intensiv. Das ist alles mehr so ein Rumprobieren ohne Anspruch auf Perfektion.

Ich will hier keine Anleitung zum perfekten Makro-Foto verfassen, ich will ja insgesamt eigentlich gar nicht technisch werden.

Das hier ist nur ein bisschen Rumexperimentieren und Neugier stillen und das mit dir, verehrtem Leser, teilen, auf dass es dich inspirieren möge, dich aus deiner Komfortzone zu entfernen und etwas Neues auszuprobieren.

Dieses Foto habe ich vor einigen Tagen auf Reddit gepostet.

Es ist eine Makroaufnahme der Taschenuhr, die ich einst von meinem Großvater geerbt habe.

Sie hat schon ein paar Spuren der Zeit, aber ich finde, das trägt durchaus zum Charakter bei.

Vor einigen Jahren schon habe ich mir mal einen sogenannten Retroadapter für unsere Nikon D-Kameras zugelegt, der auf das 18-105mm Nikkor Kit-Objektiv passt, einfach, um mal mit geringem Kapitaleinsatz eine neue Technik ausprobieren zu können.

Denn während wirkliche Makro-Linsen fix mal mehrere hundert Euro kosten, ist ein solcher Retroadapter schon für rund 10 € zu haben. Für einen tieferen Griff in's Portemonnaie gibt es auch "smarte" Adapter, die die elektrische Verbindung zwischen Linse und Gehäuse aufrecht erhalten und so sogar Autofokus ermöglichen. Teuer, aber immer noch günstiger, als ein neues Objektiv. 

Da akzeptiere ich auch die Unzulänglichkeiten, die ein solcher Adapter im Vergleich zu einem Makro-Objektiv mit sich bringt.

Die Fotos des Equipments habe ich übrigens mit meiner X-T3 und der 50mm Festbrennweite aufgenommen. Schließlich befinde ich mich noch in meinem 4-wöchigen „Ich beschränke mich auf die 50mm 1.8 Linse“ - Experiments. Und auch wen ich mir erlaube, für die Makro-Gehversuche eine andere Brennweite zu nutzen, will ich es ansonsten so gut ich kann verfolgen.

Der Adapter hat auf einer Seite ein Filtergewinde, das passend zum Objektiv gewählt werden kann. Alternativ kann man aber auch Step-Up- oder Step-Down-Ringe verwenden.

Die andere Seite des Adapters bietet das zur Kamera passende Bajonett, in meinem Fall Nikon F.

Der Adapter wird einfach vor das Frontelement geschraubt, wie ein Filter.

Schon lässt sich das Objektiv verkehrt herum an das Kameragehäuse montieren.

Es gibt als weitere Alternative übrigens auch ganz einfache „Extension Tubes“, zu gut Deutsch Verlängerungsringe, die zwischen Objektiv und Kameragehäuse gesetzt werden. Diese Ringe verschieben den Fokussierbereich des Objektivs so, dass man dichter an das Objekt der Begierde heranrücken kann. Die minimale Fokus-Distanz wird massiv reduziert.

Ein Retroring tut in etwa das gleiche, allerdings sorgt die umgekehrte Ausrichtung des Objektivs darüber hinaus für eine irre Vergrößerung.

Lustigerweise ändert sich die Abbildungsgröße kaum, wenn man den Zoom des Objektivs nutzt. Im Wesentlichen verschiebt auch das nur die minimale Fokus-Distanz. Je größer die Brennweite, desto näher kann man an das Subjekt heran und umso größer kann man es abbilden.

 

Was genau hier auf optischer Ebene passiert, kann ich dir leider nicht erzählen. Auf YouTube gibt es dazu aber reichlich Material.

 

Ich habe hier mal zum Vergleich möglichst große Nahaufnahmen gemacht, um zu zeigen, wie mein 18-105mm bei 105mm, mein 70-300mm bei 300mm und das 18-105 mit Retroadapter bei 105mm im Vergleich zueinander die Taschenuhr abbilden.

Als Fotobox dient mir dabei mein Fotoschrank, in dem ich einfach eines der Fächer ausgeräumt habe.

Die Funktion hatte IKEA bestimmt nicht auf dem Schirm!

Als „Studiobeleuchtung“, um mir das Fokussieren zu erleichtern, habe ich eine Taschenlampe liegen, während ein Blitz für ausreichend Belichtung während der Aufnahme sorgt.

Zum Vergleich mache ich eine Aufnahme mit dem 18-105 mm Objektiv bei 105 mm.

Immerhin 20 cm nah komme ich an die Taschenuhr heran

Die Vergrößerungswirkung ist zwar schon nicht schlecht, aber noch weit von "Makro" entfernt.

Mit dem 18-105mm Objektiv kann ich auf respektable ~20 cm an die Taschenuhr heranrücken. Damit bekomme ich die Uhr schon recht groß abgebildet.

Zugunsten einer relativ hohe Tiefenschärfe habe ich f14 als Blende gewählt, muss dafür aber den Blitz benutzen, um genug Licht auf den Sensor zu bekommen. Ich könnte auch länger belichten, aber das birgt die Gefahr von Bewegungen der Kamera während der Belichtung.

Mit f14 wird die Uhr auf dem Bild insgesamt akzeptabel scharf.

Um eine sauberere, schärfere Abbildung zu bekommen müsste ich mit weiter geöffneter Blende mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokuspunkten aufnehmen und einen Fokusstapel machen. Das führt mir für den heutigen Einblick aber etwas zu weit. 

Mein 70-300 mm Objektiv bietet zwar eine weitaus längere und damit vergrößerndere (ist das überhaupt ein Wort?) Brennweite, birgt aber einige Nachteile.

Um die Uhr überhaupt fokussieren zu können, muss ich knappe 80 cm von ihr entfernt sein.

Damit geht der Vorteil der größeren Brennweite beinahe vollständig verloren.

Mit dem 300mm-Objektiv kann ich zwar theoretisch näher an die Uhr heranzoomen, leider muss ich die Kamera aber aufgrund einer deutlich größeren minimalen Fokus-Distanz wesentlich weiter vom Subjekt zurück rücken und habe nun fast einen Meter Abstand zwischen Linse und Uhr.

Das sorgt im Umkehrschluss leider dafür, dass der Vergrößerungsvorteil der langen Brennweite nahezu komplett verloren geht, wie man im direkten Vergleich sieht.

Der Retroring eröffnet ganz neue Möglichkeiten

Die minimale Fokusdistanz schrumpft auf gerade einmal knapp 5 cm!

Gepaart mit der Umkehrung der Linse erhalte ich so eine überwältigende Vergrößerung!

Der Retroring hat ein Filtergewinde und kann einfach in das passende Gewinde an der Linse geschraubt werden. Auf seiner Rückseite hat er ein Nikon F-Bajonett, durch das das Objektiv in umgekehrter Richtung an das Gehäuse gesetzt werden kann.

Bei maximal ausgefahrenem Objektiv schrumpft die minimale Fokus-Distanz auf gerade mal 5 cm.

Gepaart mit einer gewaltigen Vergrößerung (die Menschen, die schlauer sind, als ich, bestimmt auch beziffern können) sorgt das für beeindruckende Ergebnisse. Und das für gerade mal 10 € monetärem Risiko? Das gönn‘ ich mir.

Mein Objektiv hat einen kleinen Blechlappen am eigentlichen Objektivbajonett, über das die Blendenöffnung gesteuert wird.

Dieser lässt sich mit etwas Klebeband fixieren, um eine lächerlich geringe Tiefenschärfe zu erreichen. Ich habe ihn aber nicht angerührt und die Blende damit so weit geschlossen gelassen, wie möglich, was wiederum für einen möglichst großen scharfen Bereich in einer einzelnen Aufnahme sorgt.

Natürlich muss ich auch dafür erneut den Blitz benutzen.

 

Ein geringer finanzieller Aufwand und etwas Experimentierfreude, und schon kann man sich auch in der Wohnung eine ganze Weile beschäftigen und einige beeindruckende Fotos aufnehmen. Genau das Richtige für Schlechtwetter-Tage...oder Quarantäne.

Wenn du durch meinen Artikel selbst Lust bekommen hast, das ganze mal auszuprobieren, würde es mich freuen, die Ergebnisse auf Instagram oder Reddit sehen zu dürfen! Ich bin gespannt, was so alles entsteht!

20.02.2022

Hannover in 50mm 

 

Ich befinde mich derzeit motivationstechnisch ein bisschen in ‘nem Tief, wenn's um Fotografie geht. 

Das passiert mir immer dann, wenn das Wetter über längere Zeit langweilig und grau ist. 

Denn gerade hier in der niedersächsischen Tiefebene tut das Wetter eine ganze Menge für Landschaftsfotos. 

Plane Felder bei monotonem Wolkenhimmel sind halt nicht besonders spannend. 

Ein Hoch auf den Niedersächsischen Flachland-Winter! 

Bock zu fotografieren habe ich aber trotzdem, mit fehlt nur die Lust, mich hier vor die Tür zu begeben, weil ich das Gefühl habe, es sieht ohnehin alles gleich und langweilig aus. 

 

Vor ein paar Tagen hat die Sonne übrigens mal kurz vorbeigeschaut und uns einen großartigen Sonnenaufgang beschert, den ich dank ein bisschen Recherche direkt mitnehmen konnte. Kaum ist wieder etwas Abwechslung am Himmel, geht auch der Bock durch die Decke! Dazu wird es auf meinem Youtube-Kanal bald auch ein Video geben (also nicht vergessen: abonnieren und Glocke schellen, damit du es mitbekommst 😉) 

Allerdings war das nur ein recht kurzes Gastspiel und so sind wir Jahreszeiten-konform wieder bei einem fröhlichen Grau-in-Grau. 

 

Aber ich will mich damit nicht abfinden, und es gibt viele Möglichkeiten, um aus einem solchen KreaTief (haHAAa, liebe Grüße an die Flachwitz-Fraktion) zu kommen. 

 

Zum Beispiel kann man sich einer neuen Kategorie der Fotografie widmen. 

Denn wenn man schon eine längere Zeit in einem Genre unterwegs ist, hat man den steilen Abschnitt der Lernkurve vermutlich so langsam hinter sich und es gibt nicht mehr jeden Tag etwas völlig Neues zu lernen. 

Das Belichtungsdreieck aus Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO, die Goldene Regel als Hilfestellung für die Bildkomposition oder was Langzeitbelichtungen sind und wie man sie aufnimmt – das ist reichlich Lernstoff für den Anfang, aber irgendwann hat man das alles raus.  

Dann kommen die Genre-typischen Dinge wie Fotografieren mit verfügbarem oder künstlichem Licht, Arbeit mit Models oder Tieren oder Belichtungs- oder Fokusstapel und je tiefer man eindringt, desto mühseliger ist es, sich neues Wissen anzueignen. 

Es gibt schon eine ganze, GANZE, Menge Zeug zu lernen, aber in keinem Genre nutzt man alles davon. 

Und so ist es eine gute Möglichkeit, sich einem neuen Genre zuzuwenden, um neue Motivation zu wecken.  

Statt Landschaften mal Makro, statt Portraits mal Lichtmalerei. 

So bekommt man ein neues Thema, in dem man sich neues Wissen aneignen kannst, und da es gegebenenfalls noch recht unbekannt für ist, bietet es eine neue, steile Lernkurve und Erfolgserlebnisse, die allein schon die Motivation neu befeuern können. 

 

 

Ein anderer Weg, aus einem Kreativitäts-Loch zu kommen ist, sich einem Projekt zu widmen. 

Einer Aufgabe, die im Zentrum des Schaffens steht.  

Völlig freie Hand zu haben, kann überwältigend sein, und vor lauter Möglichkeiten dazu führen, sich für keine entscheiden zu können. 

Wenn aber feststeht, dass das Endergebnis ein Kalender sein soll, der im Querformat gedruckt werden soll, steht damit schonmal die Ausrichtung fest. Wählt man dazu noch ein Thema, vereinfacht das die Motivsuche. 

Beispiel: es soll ein maritimer Kalender werden. 

Damit bieten sich Motive wie Boote, Seile, Seekarten oder ähnliches an. 

Schwarz-Weiß? Industriebauten, urbane Szenerien, Ruinen. Vielleicht einfach interessante Oberflächen und Muster. 

 

Das Ziel kann auch etwas größer gesteckt sein: Ein Fotobuch! 

Ein Buch zu einem Thema, das einen ohnehin schon interessiert. Und wenn es die Fotografie selbst ist, weil im Chaos des Alltags für mehrere Hobbies kaum Zeit bleibt. 

Dann könnte die Motivsuche sich auf Makroaufnahmen der eigenen Ausrüstung beschränken. 

Eine interessante Rändelung am Objektiv, die Knäufe am Stativ, vielleicht die Kontaktpins am Aufsteckblitz. 

Sein Künstlerisches Schaffen auf ein Projekt zu beschränken kann einen sowohl aus der Lähmung der unbegrenzten Möglichkeiten als auch aus der Ideenlosigkeit holen und ist ein großartiger Weg, die Kreativität wieder zu wecken. 

Ein Retroring war alles, was ich noch kaufen musste, um vorhandene Technik zu nutzen und einen Einblick in die Makrofotografie zu erhalten.

Für mein Beispiel habe ich einfach eine Taschenlampe genommen, deren Oberfläche mir gut gefällt. Als Untergrund habe ich mein Notebook genommen, da das Muster schön zu dem der Lampe gepasst hätte. In der Aufnahme war das letzten Endes aber gar nicht nötig.

Mit dem vorhandenen Equipment entstehen zwar keine perfekten Makro-Aufnahmen, es bietet aber einen Einstieg in die Makro-Fotografie, sodass man einen Einblick erhält, ob die Makrofotografie neues Interesse wecken kann.

Eine dritte Möglichkeit ist, sich eine Weile einzuschränken, um aus der Bequemlichkeit, immer alles Mögliche mit dem Equipment machen zu können, einen Zwang zu machen, das Vorhandene zu nutzen. 

Und das habe ich vor. 

 

Ich habe ein schönes Objektiv, das ich mir einst für meine alte Nikon D90 gekauft habe, eine Nikkor 50mm f1.8 Festbrennweite. 

Mit Hilfe eines simplen Adapters kann ich dieses Objektiv auch an meine X-T3 schrauben, auch wenn ich dabei sämtliche Automatismen verliere. 

Zwar gibt es auch sogenannte Smart-Adapter, die die elektrischen Signale vom Objektiv an die Kamera weitergeben, aber die sind so teuer, und die Hilfsmittel der Kamera wie Focus Peeking, Histogramm und Live-Vorschau sind so gut, dass ich die Investition bisher noch nicht eingesehen habe. 

Mit diesem Objektiv möchte ich mich ein bisschen einschränken. Ein bisschen ist gut! Ich möchte mich gewaltig einschränken, aber das kann helfen, den Blick zu schulen. 

Ich finde es schwierig, mir mit bloßem Auge vorzustellen, welchen Bildausschnitt mir welche Brennweite bietet, und genau dagegen will ich was tun. 

Außerdem mag ich die Linse unheimlich, nicht zuletzt wegen ihrer 1.8er Offenblende. 

Deshalb habe ich mir ein Projekt vorgenommen, bei dem dieses Objektiv eine entscheidende Rolle spielen wird, denn es soll das einzige sein, das im Rahmen dieses Projekts zum Zuge kommt. 

 

Ich möchte Hannover in 50 mm Fotografieren, und zwar vorerst für die nächsten 4 Wochen ausschließlich. 

Wann immer ich im Stadtgebiet zum Vergnügen mit der Kamera losziehen will, wird mein Setup aussehen, wie folgt: 

Meine Fujifilm X-T3

Das Nikkor 50 mm 1.8 AF

Ein quenoX Adapter von Nikon F- auf Fuji X-Bajonett

Step-Up Ringe von XCSource und ND-Filter von Gobe (ND 4 / 16 / 32) und Rollei (ND 8 / 64 / 1000)

Das Rollei C50i oder alternativ das Rollei Compact Traveller No.1

Das Equipment ist übrigens vollumfänglich von eigenem Geld erstanden worden. Das ist keine beauftragte Werbung oder ähnliches, ich nur darstellen, was ich nutze.

That’s it. Travel light. 

Vermutlich wird' ich in den meisten Fällen sogar auf das Stativ verzichten, aber die Möglichkeit möchte ich mir offenhalten. 

 

Wenn ich mal ein Video darüber aufnehmen sollte, kommt für die Videografie dann noch das dafür notwendige Geraffel dazu, aber für die Fotografie soll es das gewesen sein. 

Ich bin gespannt, ob ich das durchziehen kann oder irgendwann der Versuchung erliege, doch mal nach einer anderen Linse zu greifen. 

 

Ja – wenn es mich mal aus der Stadt trägt, werde ich meine übliche Ausrüstung mitschleppen, denn es passiert selten genug, dass ich mir die Zeit nehme, wirklich mal “außerhalb” zu fotografieren. Wenn ich hier in Hannover merke, dass ich eine andere Brennweite für ein Motiv bräuchte, kann ich mir das merken und bald wieder kommen. Sollte ich aber in den Harz fahren, an’s Meer oder sonst wo hin, dann möchte ich doch die Optionen haben, denn es passiert selten, dass ich dicht hintereinander zwei Mal an den selben Ort fahre. 

Aber hier im Stadtgebiet Hannover soll es für die nächsten 4 Wochen mein einziger Begleiter sein. 

 

Und damit habe ich vorgestern begonnen, mit etwas “Close-Up-Fotografie in der Ricklinger Masch, und direkt gemerkt, wie ich Lust bekommen habe, wieder mehr zu fotografieren! 

 

Mal sehen, was die nächsten 4 Wochen noch so bringen werden.

Ein wildes Vogelhäuschen in der Ricklinger Masch. Die große Offenblende bietet ein schönes Bokeh, wohl der Hauptgrund, weshalb ich das Objektiv so gern mag.

06.02.2022

Fujifilm und Filmsimulationen 

Das Thema ist groß und es gibt ganze Websites, die sich nur darum drehen. 

Und das ist verständlich, die Simulationen haben echt Potential! 

Sie ermöglichen ein bisschen, das Fotografieren wieder so zu erleben, wie früher. 

Wobei das Auslegungssache ist. 

Wer früher nicht nur analog fotografiert, sondern anschließend auch seine Filme selbst entwickelt hat oder das sogar heute noch so arbeitet, für den sind auch die Filmsimulationen moderner Schnickschnack. 

Wer aber auf Film fotografiert hat und die volle Rolle dann einfach in der Drogerie des Vertrauens abgegeben hat, um hinterher die entwickelten Negative und Abzüge abzuholen, der könnte hier etwas Nostalgie verspüren. 

 

Mir geht es zumindest so. 

Denn angefangen habe ich genau so, und es war für mich immer spannend und aufregend, wenn ich nach drei Tagen meine Fotos abholen konnte. 

 

Das Ganze funktioniert so: 

Man stellt seine Fujifilm-Kamera (denn bisher, zumindest meines Wissens nach, sind Fujifilm die einzigen, die dieses Feature anbieten) so ein, dass sie JPEG-Dateien abspeichert. Es empfiehlt sich, wie ich vor kurzem schmerzlich feststellen musste, immer auch RAW-Dateien mitzunehmen! 

Aber dazu später mehr. 

In jedem Fall bietet die Kamera von sich aus eine Auswahl an vorprogrammierten Filmsimulationen wie Provia, Astia oder Velvia, alles Filme, die aufgrund ihrer jeweiligen charakteristischen Eigenschaften, wie Darstellung der Farben, Kontraste, dynamischem Umfang, Körnung etc. hohe Beliebtheit genießen. 

Darüber hinaus kann man selbst Voreinstellungen vornehmen und abspeichern und damit auch andere Filmlooks imitieren. 

Dafür kannst du übrigens hervorragende Vorlagen finden, zum Beispiel auf der Webseite von FujiXWeekly

Dort findest du auch eine Anleitung, wie du selbst eine Filmsimulation in deine Fujifilm-Kamera einprogrammieren kannst. 

Mein persönlicher Favorit ist bisher übrigens die Kodachrome II – Simulation für meine Fujifilm X-T3, in der ein X-Trans IV-Sensor verbaut ist. 

 

Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Ich will mich nicht mit dem trockenen, technischen Kram aufhalten, sondern davon erzählen, was im Kopf passiert. Wie sich meine Herangehensweise ändert, wenn ich entscheide, mit einer Filmsimulation zu fotografieren. 

 

Eine Simulation auszuwählen ist, wie einen bestimmten Film in das Gehäuse zu laden, mit dem angenehmen Vorteil, nicht erst nach 36 Auslösungen wechseln zu können, sondern nach jedem Schuss. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass das Display direkt zeigt, wie das Endergebnis aussehen wird, ohne, dass man warten muss, bis der Film entwickelt und Abzüge gemacht sind. 

Und in Hinblick auf digitale Fotografie entfällt die Entwicklung am PC. 

Klar, die Möglichkeiten, die RAW-Dateien und Software bieten, sind immens und es kann riesigen Spaß machen, wirklich die Kontrolle über jeden einzelnen Aspekt im Bild zu haben. 

Aber manchmal habe ich da keine Lust drauf, vor allem, weil die Postproduktion echt zeitintensiv werden kann. 

Manchmal möchte ich einfach ein Motiv Fotografieren und ein fertiges Bild haben. 

Und eben da bietet es sich an, die Kamera auf JPEG umzustellen und, wenn man einen bestimmten Look möchte, eine Filmsimulation zu nutzen. 

Wenn man diesen Antrieb hat, dass das Bild bereits in der Kamera entwickelt werden soll, dann gibt es zumindest für mich dem einzelnen Schuss ein höheres Gewicht. 

Denn auch wenn ich die Möglichkeit hätte, unendlich viele Bilder zu schießen, was ja der Vorteil gegenüber der tatsächlichen Filmfotografie ist…irgendwie verändert sich meine Herangehensweise. Meine Geisteshaltung. 

Ich denke mehr über das einzelne Foto nach, überlege länger und genauer, bevor ich den Auslöser drücke. 

Denn wenn alles gut geht und ich die richtige Komposition wähle, Belichtung, Blende, Iso, wenn das alles in diesem Moment stimmt…dann ist das Bild fertig, sobald ich den Auslöser drücke. 

 

Und wenn man neben JPEG- auch RAW-Dateien aufnimmt, kann man sogar noch in der Kamera nachträglich über das gleiche Bild eine andere Simulation legen oder es doch am PC ganz und gänzlich selbst entwickeln. 

 

Und außerdem kann man dann für's nächste Mal nicht vergessen, wieder von JPEG auf RAW umzustellen. 

Dann fotografiert man auch nicht einen bunten Sonnenaufgang am Maschsee und stellt Zuhause dann fest, dass man mächtig wenig Spielraum zum Entwickeln hat! 

 

Junge, das war ärgerlich. 

Das passiert mir hoffentlich nicht nochmal! 

Die RAW-Datei ohne weitere Anpassungen

Das Bild mit der Filmsimulation "Kodachrome II" von der Fuji X Weekly - Website.
Die Farben sind etwas kräftiger, die Kontraste ebenso.

Im direkten Vergleich sieht man den Unterschied recht deutlich.

In der Vergrößerung kann man auch die künstliche Körnung der Simulation erkennen, die dem Foto ein analoges Gefühl verleiht.
Das alles kann man zwar auch selbst in der Entwicklung erreichen, aber es ist schon schön, dass die Kamera das von ganz alleine kann. Wie früher, mit Film.
Wie gefällt es dir?

08.01.2022


Die Geschichte hinter "Eisiger Wind"


Januar 2021.
Es ist kalt. Verdammt kalt. Und wunderschön verschneit und gefroren.
Mila und ich fahren früh los, noch im Dunkeln, um noch einen der begehrten Parkplätze in der Nähe vom Radau-Wasserfall bei Bad Harzburg zu bekommen.
Denn von dort aus möchten wir zu einer der schönsten Winterwanderungen starten, die wir bisher unternommen haben. Das wissen wir jetzt aber noch nicht.
Auch nicht, dass ich Wahnsinniger vergessen habe, Winterreifen aufzuziehen und deshalb mit Sommerreifen in den verschneiten Harz fahren! Das wird mir erst beim Wechsel auf Sommerreifen im April auffallen, der sich als völlig überflüssig erweist.
Wer im Schnee fahren kann, kann halt im Schnee fahren. Harzkind eben.
Ich hatte trotzdem schon bessere Ideen. Das aber nur am Rande.

Wir haben Glück, zwei Plätze sind noch frei.
Wir gehen ein kurzes Stück den Waldweg entlang und queren direkt ein Mal die Radau und den Hanggraben, bevor wir den Aufstieg auf den Winterberg angehen.
Ganz hinauf soll es aber nicht gehen, wir haben als erstes Ziel die Eckertalsperre, um uns dort den Stempel Nr.1 der Harzer Wandernadel abzuholen.

Verschneite Landschaft umgibt uns, und schon bald erhaschen wir einen ersten Blick auf den Brocken. Und den einzigen für heute, denn das, was ich eingangs für Nebel halte, der vielleicht für ein bisschen Stimmung sorgen könnte, entpuppt sich schnell als Schneeschauer!
Wir wandern zur Wetterschutzhütte am Hasselkopf und machen dort kurz Halt, um uns mit etwas warmem Tee und einer Kleinigkeit zu Essen zu versorgen. Es schneit dicke Flocken, und es ist wunderschön!

Mit dem Thermobecher in der behandschuhten Hand gehen wir weiter, die Teerstraße entlang hinunter zur Staumauer. Die Treppe hinunter auf die Mauer ist ordentlich verschneit und vereist und wir setzen vorsichtig einen Fuß vor den anderen, um nicht auf die Nase zu fallen.
Den Weg über die Staumauer entlang ist der Schnee vor allem in der Mitte von den Wanderern, die in den Vortagen hier lang gegangen sind, dich zusammengepresst…aber eben nur in der Mitte. Deshalb gleicht das Queren der Brücke einer ziemlichen Schlitterpartie und wir sind froh, als wir endlich auf der anderen Seite ankommen. Einst verlief hier, mitten durch die Talsperre, eben entlang der Ecker die innerdeutsche Grenze, damals war die Mauerkrone durch eine aufgesetzte Mauer, die durch die ostdeutschen Grenztruppen errichtet worden war, abgetrennt worden.

Glücklicherweise sind das Zeiten, die in der Vergangenheit liegen.

Wir erreichen unser erstes Tagesziel auf dieser Wanderung: die Stempelstelle Nr. 1 der Harzer Wandernadel.
In wirklich traumhaftester Winteridylle holen wir uns die Stempel und mein Blick wandert über die Talsperre.
Mich fasziniert, wie der Schneefall fast wie Nebel wirkt und die dicken Schneeflocken im Wind tanzen.
Ich fürchte, dass es für die Kamera zu viel sein könnte, aber ich kann nicht widerstehen.
Ich öffne den Rucksack schnell und zücke meine Nikon D90, schließe den Rucksack sofort wieder, damit kein Schnee hinein gelangt. Dass die Kamera selbst nicht wetterversiegelt ist, macht mir etwas Sorgen, das Motiv ist mir das Risiko aber wert. Ich habe sie schon früher zumindest auch Nieselregen ausgesetzt, sie war mit mir auch auf Island…sie wird das schon schaffen.
Trotzdem ist dies der Moment, indem ich beschließe, als nächstes eine wetterversiegelte Kamera zu kaufen. 
Ich muss schnell sein, also schalte ich die Kamera in den Automatik-Modus, denn ich möchte nur sicherstellen, dass ich das Bild bekomme und dabei nicht ständig an den Einstellungen herum fummeln muss.
Wieder und wieder wische ich die Linse ab, drücke den Auslöser, wische die Linse ab, drücke den Auslöser. Ich probiere unterschiedliche Bildausschnitte und Brennweiten, die mir mein Objektiv bietet, aus.
Am Ende entscheide ich mich für 18 mm, das Weiteste, was mir möglich ist.
Ob das Bild tatsächlich etwas geworden ist, werde ich erst wissen, wenn wir wieder zuhause sind und ich es auf einem großen Bildschirm sehen kann, aber so, auf dem kleinen Display sieht’s schon mal ziemlich vielversprechend aus.

Ich wische die Kamera mit einem Taschentuch trocken und packe sie zügig zurück in den Rucksack.
Mit den Stempeln in den Wanderpässen und einigen vielversprechenden Aufnahmen auf der SD-Karte machen wir unseren Weg zurück über die Staumauer und suchen uns einen Pfad an der Talsperre hinab in’s Eckertal, wo wir noch eine kurze Weile an der Ecker entlang wandern, bevor wir einen erneuten Anstieg auf uns nehmen.
Am Molkenhaus wartet nämlich noch ein weiterer Stempel auf uns.

Noch den ganzen Tag werden wir von starkem Schneefall und dichtem Nebel begleitet. Unsere Schritte, unsere Unterhaltungen werden von der uns umgebenden Witterung gedämpft, man hört kaum jemand anderen oder irgendwelche Umgebungsgeräusche und das ist echt ungewohnt, aber faszinierend.
Und so wandern wir weiter durch verschneite Wälder und weiße Wiesen und sammeln auf dieser Runde noch drei weitere Stempel:
Am Molkenhaus, am Luchsgehege und am Ende sogar noch am Kreuz des deutschen Ostens.

Zum Abschluss haben wir noch einmal einen Anstieg vor uns, denn dummerweise befinden wir uns jetzt unterhalb unseres Parkplatzes.
Und das ist wirklich unangenehm: wenn man schon einen ganzen Tag wandern in den Knochen hat, einen Anstieg zum Ende. Da wird jeder Schritt zur Qual. Vor allem nach fast 23 Kilometern.
Erschöpft, aber glücklich erreichen wir den Parkplatz und freuen uns drauf, dass der Caddy 'ne Sitzheizung hat.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich das Foto mit in den Shop aufnehmen möchte, weil ich dachte...das ist nicht interessant genug...

Aber das Bild hängt jetzt seit mindestens 9 Monaten in unserer Wohnung, und jedes Mal, wenn ich es anschaue, macht das was mit mir. Ich weiß nicht, was es ist, aber dieses Bild beruhigt mich und nimmt mich ein bisschen aus meinem Alltag (genauso, wie "Unter Eisriesen", deshalb hängen die beiden Bilder bei uns auch seit jeher direkt beieinander).

Und deshalb dachte ich mir:

Doch, ich möchte es mit anbieten.

Kalt, aber wunderschön! Und erst durch die dicken Schneeflocken wird das Bild so stimmungsvoll!

Bei uns zuhause hängen "Eisiger Wind" und "Unter Eisriesen" direkt beieinander, für mich gehören die beiden Fotos einfach zusammen.

Unsere Route von diesem Wandertag. Eine schöne Strecke, trotz des dicken Nebels.

01.01.2022


Das letzte Jahr war gar nicht so schlimm


 

Das hätten wir! 

  

2021 hat uns nicht geschafft! Auch wenn es sich streckenweise wirklich Mühe gegeben hat… 

Nein, 2021 hat zwar mit diversen Lockdowns (yeah, Anglizismen!) und Corona-Varianten wirklich Einsatzbereitschaft gezeigt, den Titel „miesestes Jahr der Neuzeit“ zu erhalten, aber am Ende hat es ihm an Konsequenz gefehlt. 

 

Denn 2021 hatte ein paar wirklich großartige Momente und Ereignisse! 

Da kannst du jetzt mal selbst drüber nachdenken, was das bei dir so war, und wenn du Lust hast, kannst du es mir auch gerne erzählen (ein paar Kontakt-Kanäle gibt’s ja). 

 

Einer meiner besonderen Momente, wahrscheinlich auch für lange Zeit der herausragendste, hat nichts mit Fotografie zu tun, auch wenn auch hier etwas passiert ist. 

Nein, mein größter Moment dieses Jahr hatte berufliche Natur und fand am 10 Juni dieses Jahres statt. 

Denn das war der Tag der Abgabe meines Meisterstücks im Metallbauhandwerk: eine kreisrunde Sitzbank, die um einen Baum herum gestellt werden kann. 

Das war der Tag, an dem ich zum letzten Mal eine schulische Prüfung zu bewältigen hatte, nachdem die theoretischen Kurse bereits bestanden waren. 

 

An diesem Tag sollten über 4 Jahre berufsbegleitende Weiterbildung ihren krönenden Abschluss finden und ich mein Meisterstück, das ich in den vorangegangenen Wochen, Monaten und Jahren erdacht, geplant, konstruiert und dann auch angefertigt habe, den kritischen Augen des Prüfungsausschusses vorführen. 

 

Auch die Prüfung war übrigens quasi berufsbegleitend! Ich habe also erst einen normalen Tag gearbeitet und erst abends diese Prüfung absolviert! 

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in dem Maße nervös über eine Baustelle gerannt bin. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt jemals derartig nervös gewesen bin, höchstens bei meinem Abitur 2007. 

Und ich glaube, es wird auch noch eine Weile dauern…das hoffe ich sogar…bis ich wieder eine solche Nervosität ertragen muss. 

Ich kann noch so gut vorbereitet und mir meiner Sache sicher sein – Prüfungssituationen sind für mich ganz schön fordernd. 

 

ABER 

Es hat geklappt. 

Und so war wohl das wegweisendste Ereignis dieses Jahr für mich, endlich meine Ausbildung zum Metallbaumeister abzuschließen. Und ich bin mächtig stolz, dass der Meisterbrief jetzt über meinem Schreibtisch thront!
Unten auf dieser Seite findest du eine kleine Bildergalerie von den Fertigung und der fertigen Bank. 

 

Und noch eine große Sache für mich…etwas offensichtlich, aber nichtsdestotrotz wichtig und zumindest mit Potential: 

Ich habe eine freiberufliche Tätigkeit angemeldet, damit ich meine Fotos verkaufen kann. 

Ich kann jetzt nicht wirklich behaupten, dass das bisher von großem Erfolg gekrönt war, aber es ist etwas, was ich schon sehr lange erwogen habe. Und es macht mir einfach Spaß, ein solches Unterfangen auszuarbeiten. Die Website aufbauen und gestalten, mir überlegen, wie ich Bestellungen umsetzen und möglichst umweltfreundlich produzieren und versenden kann. 
Möchte ich es tatsächlich beim Verkauf der Fotoducke belassen, oder möchte ich vielleicht eines Tages auch Kurse anbieten und mein Wissen weiter reichen?

Wie kann ich die Nummer bewerben, ohne allen damit auf die Nerven zu gehen, dass man schon wieder mit Werbung zugebombt wird? 

Vielleicht ist deshalb auch noch nicht allzu viel passiert: ich bin sehr zurückhaltend damit, laut zu erwähnen, dass es meine Bilder zu kaufen gibt. Und im Vergleich mit anderen Leuten, die so etwas machen, bin ich in den sozialen Medien verhältnismäßig zurückhaltend.

Naja, und vielleicht sind meine Bilder eben doch nicht so begehrenswert, wie ich denke. Aber es geht für mich hier nicht um Geld, sondern um das reine Vergnügen an der Fotografie. 
Und wenn ich am Ende nix damit einnehme, dann war es einfach ein interessantes Projekt.
Das Urteil darüber fälle ich in 2 Jahren. 

 

Jetzt freue ich mich erstmal auf ein neues Jahr, das viel für uns bereit hält! 

2022 wird sicher noch einmal anstrengend, was die Pandemie angeht, aber gemeinsam können wir das schaffen. Und ich bin mir sicher, dass 2022 auch ein paar echt schöne Sachen anstehen, und auf die bin ich schon richtig gespannt! 


Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr! 

Größte Faszination an meinem Beruf ist für mich wohl, dass wir in meinem Betrieb noch traditionelle Schmiedetechniken verwenden. Das wollte ich auch bei meinem Meisterstück. Hier biege ich gerade eines der Standbeine für die Sitzbank, die es werden soll.

Die Beine bestehen jeweils aus einem durchgehenden Flachstahl, den ich mit dem Acetylenbrenner und einer Schablone in Form biege.

Es ist schweißtreibende Handarbeit, aber es macht Spaß und es ist faszinierend, wie Stahl sich verformen lässt, wenn man ihn nur anzupacken weiß.

Die Sitzbank wird kreisrund und um einen Baum herum gestellt. Ich hatte ein oder zwei Ornamente mit meinen Initialien im Kopf, die Prüfer haben letzendlich vier gefordert und vorgeschlagen, ich solle die Himmelsrichtungen darstellen. Eine schöne Idee, die gut zum Projekt passt.

Nach dem erfolgreichen Ablegen der Prüfung habe ich die Bank noch lackiert und anschließend im Garten meines Vaters aufgebaut. Damit hat dieses Projekt dann bis auf ein wenig Arbeit am Untergrund seinen Abschluss gefunden.

Die Bank steht, und damit auch mein Meistertitel. Das waren für mich zwei der größten Momente in 2021: die Prüfung selbst und das schlussendliche Aufstellen, der fertigen Bank.

Ein wenig technische Raffinesse versteckt sich ebenfalls in der Bank. So sind in der Sitzbank zwei kleine Kaffeetische verbaut, die entweder flächenbündig in der Sitzfläche liegen oder sich durch einen ausgeklügelten Klappmechanismus ausstellen lassen.

15.12.2021


Warum es wichtig ist, ein Archiv anzulegen.


Ich fotografiere schon länger.
Länger, glaube ich, als ich vorher nicht fotografiert habe. 

Im Laufe der Zeit lernt man eine ganze Menge.
An Anfang habe ich mich einfach auf mein Bauchgefühl verlassen, was Kompositionen angeht. Und alles, worauf ich von technischer Seite geachtet habe, war, ob der Fokus stimmt und ob der Belichtungsmesser zufrieden ist.
So bin ich eine ganze Weile unterwegs gewesen, und ein paar schöne Fotos sind auch entstanden, ganz ohne, dass ich wusste, wie Blende, ISO und Belichtungszeit zusammen hingen.
Irgendwann kam dann das Belichtungsdreieck in mein Bewusstsein, und als das halbwegs gesessen hat, habe ich so langsam verstanden, dass man auch über Komposition eine Menge lernen kann.
Damit tu' ich mich übrigens bis heute schwer.
Ich glaube, Bilder komponieren beherrschen ist schwerer, als zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. 

Aber heute geht's mir gar nicht um "on location". 

Denn man lernt auch eine ganze Menge darüber, was Zuhause noch mit Bildern passiert, spätestens wenn man anfängt, in RAW zu fotografieren und die Entwicklung gänzlich selbst vorzunehmen.
Warum eine RAW-Datei so platt aussieht und wie man daraus seine Vision verwirklicht.
Bei einer RAW-Aufnahme sammelt der Sensor einfach alles, was er an Information aufnehmen kann, und es wird praktisch ungefiltert in einer Datei gespeichert (vielleicht läuft  dabei noch mehr ab, aber so habe ich es bisher verstanden und brauche für meine Zwecke nicht mehr an Hintergrundwissen).
Deshalb sind RAW-Dateien auch um ein Vielfaches größer, als JPEGs.
Laut Wikipedia ist RAW tatsächlich kein Akronym für irgendetwas, sondern schlicht das englische Wort "raw", also roh, was die Dateien ja auch ganz gut beschreibt.
Im Deutschen wird es übrigens als "Rohdatenformat" bezeichnet. 

Und je länger man RAW-Dateien selbst entwickelt, desto mehr Tricks und Kniffe lernt man. Wann muss ich Rauschen unterdrücken, wo sieht Körnung im Bild vielleicht sogar gut aus? Wie viel Nachschärfen ist gut, wann ist's zu viel und wann sollte ich ganz die Finger davon lassen?
Und wie sollte ich das Bild hinterher exportieren, wenn ich fertig bin, worauf dabei achten? 

Genau darum geht's mir dieses Mal.
Denn im Zuge der Erstellung der Website schaue ich mir auch meine alten Aufnahmen an und prüfe, ob sie nicht nur vom Motiv her, sondern tatsächlich auch von der Qualität der Darstellung her gut genug sind, um groß gedruckt zu werden.
Und dabei musste ich feststellen, dass einige meiner liebsten Fotos leider nicht hergeben, was ich gern hätte.
Weil ich damals noch nicht genug über die Entwicklung und den anschließenden Export wusste.
Und so muss ich auf das eine oder andere Foto leider verzichten, weil niemand eine große Ansammlung Kompressions-Artefakte anschauen möchte.
Glücklicherweise habe ich zumindest ab und zu geistesgegenwärtig gehandelt, und vor allem Aufnahmen, die ich so schnell nicht wiederholen kann, im RAW-Format aufgenommen und danach in's Archiv gelegt, also unbearbeitet auf einer meiner Festplatten gespeichert.
Das ermöglicht mir, jetzt, und mit dem heutigen Wissensstand, die Bilder nochmal zu entwickeln. 

Aufgefallen ist es mir, als ich das "Drachenei" für den Druck vorbereitet habe.
Also ich mir die Datei auf 100% angeschaut hatte, fielen mir all die oben erwähnten Artefakte auf, und so, wie es da war, hätte ich es nicht in groß drucken wollen.
Das Foto ist in unseren Flitterwochen auf Island entstanden, eine Reise, die ich so bald wohl nicht wiederholen werde. Deshalb hatte ich damals die Rohdateien auf meiner Festplatte geparkt, man weiß ja nie, was mal ist.
Und so konnte ich es mir nochmal vornehmen. 

Da ich zur Entwicklung seit kurzem nicht mehr Adobe Lightroom benutze, sondern Capture One und Affinity Photo, war es nicht ganz einfach, den exakt gleichen Look zu erreichen, aber ich finde, ich bin ziemlich dicht ran gekommen.
Dieses Mal habe ich allerdings das Bildrauschen noch ein wenig entfernt. Damit bin ich üblicherweise eher sparsam, weil ein Foto dadurch schnell "samtig", unnatürlich und unscharf wirken kann. Mit Bedacht eingesetzt kann es aber durchaus helfen. 

Als ich mir der Entwicklung fertig war, habe ich die Datei wieder als JPEG exportiert, habe aber sichergestellt, dabei die höchste Qualität einzustellen.
Und wenn ich mir jetzt den Vergleich zwischen alt und neu ansehe, gefällt mir der neue Edit doch deutlich besser. 

Kleiner Tipp:
Alle Dateien, die von Lightroom oder von Capture One in den Katalog importiert werden, werden dabei im Ursprungsformat in einem designierten Ordner gespeichert.
Da ich zum Beispiel also noch viele, viele Fotos von Reisen der letzten Jahre mit Lightroom entwickelt habe und die immer noch im Katalog sind, bedeutet das, ich habe die Rohdateien noch.
Und so werde ich mir eine ganze Reihe davon noch einmal vornehmen und kann einige meiner liebsten Erinnerungsstücke nochmal in höchster Qualität fertig machen.
Da freue ich mich jetzt schon drauf!

Unten siehst du drei Vergleichsbilder, wie der alte zum neuen Edit aussieht. Ich finde den Unterschied gewaltig!

So sieht man noch gar nicht so viele Unterschiede, außer, dass Farben und Kontrast nicht zu 100 % identisch sind.

Durch ein wenig Rauschreduktion wirkt das Bild sauberer, auch wenn es ein kleines Bisschen Schärfe einbüßt.

Die Details sind jetzt deutlich sauberer dargestellt, die Artefakte aus der Kompression sind verschwunden.

28.11.2021


Die Geschichte hinter „Pause“ auf dem Bocksberg in Hahnenklee.

Das war noch mit der Nikon D90 und einer alten 18-50 mm Nikkor Kit-Linse.

An dem Wochenende Ende Mai 2020 waren Mila und ich bei meinem Vater und meiner Stiefmutter im Harz zu Besuch. Ich weiß nicht genau, womit wir den Tag verbracht haben, aber ich erinnere mich, dass ich schon den ganzen Tag lang im Kopf hatte, abends noch fotografieren zu gehen, sollte denn das Wetter mitspielen.


Die Vorhersage sah gut aus, und weil eine kleine Gruppenwanderung zum Tagesabschluss noch keinem geschadet hat, sind wir alle zusammen zum Parkplatz am Auerhahn gefahren und von dort aus auf den Liebesbankweg Richtung Norden gestartet.

Der Weg führte zuerst durch den dichten Fichtenwald und bot nicht viel an Aussicht, aber als wir an der Liebesbankhütte angekommen waren, bot sich ein Blick weit bis ins Harzvorland Richtung Goslar.

Wir haben uns unsere Stempel für die Harzer Wandernadel abgeholt und sind dann hinauf auf den Gipfel des Bocksbergs gewandert.


Wir hatten noch reichlich Zeit bis zum Sonnenuntergang, also haben wir uns erst einmal den Aussichtsturm, der an der Bergstation errichtet wurde, angeschaut, haben ihn erklommen und den Ausblick auf Hahnenklee genossen.

Das Wetter war gütig, kaum eine Wolke am Himmel!

Um noch etwas Zeit zu überbrücken, bis das Licht interessant würde, haben wir uns einen gemütlichen Platz gesucht und uns allen einen Tee aufgebrüht.

Naja, sagen wir fast allen. Wir hatten zwar vier Becher dabei, aber die Thermoskanne fasste leider nur genug Wasser für drei! Planungsfehler, aber es war auch eine ziemlich spontane Idee, noch warmes Wasser mitzunehmen. Man kann ja nun wirklich nicht an jedes Detail denken.

Aber immerhin, drei Becher frischer, warmer Tee zum genießen in schönstem goldenem Licht, bei einem nur spärlich bewölkten Himmel auf einem Berggipfel, der uns ganz alleine gehörte.

So lässt es sich leben.

Und während wir dort saßen, über die Welt und das Leben redeten, ist mir dann die Idee zu dieser Aufnahme gekommen.


Ich bin zum Holzgeländer beim Ausstieg der Bergstation gegangen und habe den Becher platziert.

Nicht allzu lange zuvor hatte ich Videos darüber gesehen, wie man Fotos gegen die Sonne aufnehmen kann, ohne, dass man störende Lens Flares im Bild hat.

Die Lösung ist, mit identischen Einstellungen an der Kamera, also Brennweite, Blendenöffnung, Iso und Belichtungsdauer, zwei mal das gleiche Bild zu machen, wobei man einmal die Sonne verdeckt.

Wenn man die beiden Bilder dann auch identisch entwickelt, kann man sie in einem Fotobearbeitungsprogramm wie Adobe Photoshop oder Affinity Photo übereinander legen und die Teile des Bildes mit unverdeckter Sonne, in denen sich Lens Flares befinden durch die entsprechenden Teile aus dem Bild mit verdeckter Sonne ersetzen, da hier keine Lens Flares entstehen.


Da die Nikon D90 einen Dynamikbereich von gefühlt 2 Stops hat, reichte eine einzige Aufnahme (beziehungsweise halt zwei, weil ein Mal mit und ein Mal mit ohne Finger vor der Linse) nicht aus. 

Ein vergleichsweise dunkler Vordergrund, das Geländer, viele dunkle Fichten im Mittelgrund und dann gegen die Sonne im Himmel!

Mit einer einzigen Auslösung hätte ich mir aussuchen können, ob ich in den Schatten nichts mehr erkennen oder den Himmel bis ins Letzte ausbrennen möchte.

Also musste ich einen Belichtungsstapel machen, quasi eine HDR-Aufnahme, nur eben manuell.

Ich habe die oben beschriebene Technik also mehrfach wiederholt, mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, denn es war wichtig, Tiefenschärfe durch die Blende und durch ISO-Wert gesteuertes Bildrauschen konstant zu halten, damit hinterher beim Übereinanderlegen der unterschiedlichen Fotos nichts bis auf die jeweilige Helligkeit variiert.

Acht Auslösungen später, bei denen ich vier mal völlig absichtlich die Hand im Bild hatte, hatte ich das ganze nötige Material zusammen.

Zuhause wartete auf mich, die Aufnahmen mit Finger im Bild und die Aufnahmen ohne Finger jeweils zu Belichtungsstapeln zusammenzusetzen und dann, so wie oben beschrieben, die Lens Flares zu entfernen. Aber das sollte nicht mehr heute geschehen.

Mila und ich sind noch ein wenig über das Gelände geschlendert, und haben ein paar Aufnahmen gemacht, aber das Bild von meinem Teebecher sollte für dieses Mal mein Bestes sein.


Die Wanderung hatte sich absolut gelohnt, wir hatten einen schönen Abend gehabt und einen wundervollen Sonnenuntergang genossen.

Zeit, nachhause zu fahren.

Behind the scenes! Mein Vater fotografiert mich beim Fotografieren.

Mila hat er auch erwischt. Das Bild, das hier entstanden ist, findest du auf Instagram.

Es war wirklich ein wundervoller Abend! Danke für so schöne Fotos davon, Papa!

21.11.2021

So.
Jetzt ist wirklich alles bereit.

Ich habe am Freitag noch einen Probedruck anfertigen lassen, damit ich sicher bin, dass die Fotos auch in großer Größe ausgedruckt gut aussehen.
Fazit: Ja, selbst 90 x 60 cm ist traumhafte Qualität. Ausprobiert hab' ich das mit dem Motiv "Rostig", weil ich das damals noch mit der Nikon D90 aufgenommen habe und die Kamera ja nur 10 Megapixel hat.
Die Datei ist aber trotzdem hoch genug aufgelöst, dass selbst bei dieser Druckgröße das Bild noch fantastisch aussieht!

Außerdem habe ich jetzt auch die Versandverpackungen zur Hand. Die konnte ich wenige Kilometer von mir entfernt abholen, weil, wie ich beim Bestellen festgestellt habe, der Hersteller eine hannoversche Firma ist, die teilweise sogar hier in Hannover produziert! Und was sie nicht hier machen, kommt immerhin trotzdem aus Deutschland.
Allerdgins weiß ich jetzt natürlich nicht, wie Versandverpackungen aussehen, mit denen Versandverpackungen versandt werden...
ABER...wenn ich die Kartonagen dafür praktisch bei mir vor der Haustür einkaufen kann, kann ich mit dieser Wissenslücke gut leben ;-)

Ich habe heute Mittag dann auch zum ersten Mal auf Instagram bekannt gegeben, dass diese Website jetzt existiert und man Bilder bestellen kann.
Und ich glaube sogar, der Clip, den ich da in meiner Story gepostet habe, ist ganz gut geworden und beinhaltet alle Infos, die man erstmal braucht, um von der Website und dem Shop Notiz nehmen zu können und hoffentlich auch, um Interesse daran zu wecken.
Ich bin mal gespannt, wann die erste Bestellung tatsächlich eingeht.

Bis dahin kann ich schon mal das nächste Video für meinen YouTube-Kanal schneiden.
Gefilmt habe ich gestern in der Ricklinger Masch, ein schönes, unberührtes Stück Wald mitten in der Stadt!
Ich wollte noch einmal die herbstlichen Farben einfangen, und dabei ein bisschen zurück Richtung analoge Fotografie gehen. 
Das bedeutet, ich habe 'ne alte 50mm Festbrennweite mit 1.8er Blende genommen, die ich eigentlich mal für die Nikon-Kameras gekauft hatte, und die per Adapterring an die X-T3 geschraubt. Ich liebe die Linse, die zu verwenden bringt aber mit sich, dass alles manuell eingestellt werden muss, weil ich keinen Smart-Adapter habe. Die X-T3 bringt ja aber zumindest eine integrierte Belichtungsvorschau mit. So konnte ich immerhin sicherstellen, dass ich korrekt belichte.
Außerdem hab' ich die Kamera auf RAW + Jpeg F eingestellt, und dann eine Filmsimulation gewählt, damit ich praktisch nicht entwickeln muss, was aus der Kamera kommt.

Hat ganz gut Spaß gemacht und ich glaube, es ist auch das eine oder andere schöne Foto entstanden.
Aber mehr verrate ich darüber noch nicht. 
Wer den Kanal abonniert und die Glocke schellt oder mir auf Instagram folgt, kriegt auch mit, wenn ich das Video poste!
Also los, folgen und nix mehr verpassen! 

12.11.2021

Die Website geht an den Start.
Viel wichtiger noch: Ich hab' endlich den Shop befüllt und aktiv gemacht, sodass man jetzt tatsächlich Bilder von mir bestellen kann!
Allerdings muss ich noch Versandverpackungen bestellen, damit ich die Drucke dann auch geschützt und sicher versenden kann.
Wie werden Versandverpackungen eigentlich verpackt und versandt?
In einer Versandverpackung, vermute ich. Ich werd's ja dann bald mal sehen.

An dieser Stelle bin ich noch unsicher: wird das was? Werden Leute meine Bilder bestellen und sich an die Wand hängen wollen?
Ich weiß, dass ich selbst gerne meine Bilder an der Wand hängen habe, und die meisten der Bilder im Shop hängen tatsächlich zuhause an der Wand (und werden früher oder später als Model für die Bildergalerie im Shop herhalten müssen), aber wird es auch andere geben, die das wollen?

Ich glaube ja, denn sonst hätte ich diesen Schritt nicht gemacht, hätte mir keine Website mit Online-Shop geleistet, was ja Kosten verursacht. Hätte keine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt angemeldet, um Rechnungen schreiben zu können und all das.
Würde ich nicht daran glauben, dass meine Bilder das Potential haben, sich als Drucke verkaufen zu lassen, hätte ich das alles nicht angefangen.

Und selbst wenn ich hierbei ein relativ geringes Risiko eingehe - ich bin gespannt.

Jetzt wird es also Zeit, das ganze auch zu bewerben - etwas, worin ich, fürchte ich, nicht allzu gut bin. Denn um Dinge zu bewerben, um sich selbst zu bewerben, muss man ein gewisses Maß an Extraversion besitzen...und eigentlich ziehe ich gar nicht so gern Aufmerksamkeit auf mich.
Und dann auch noch auf YouTube und Instagram, weil das meine Hauptkanäle sind um meine Fotografie mit der Welt zu teilen. Mit YouTube kann ich mich noch anfreunden, aber ist nicht jeder, der sich auf Instagram bewirbt, ein Wichtigtuer?
Vermutlich nicht. Vermutlich nur etwas extrovertierter, als ich. Vielleicht etwas, woran ich mich gewöhnen sollte, wenn ich Bilder verkaufen will.

Und wer das will, der muss das den Leuten auch sagen. Denn aus Versehen wird sich wohl kaum jemand auf meine Website verirren.


Wo wir gerade dabei sind!
Habt ihr schon von meinem schicken, neuen Shop gehört? Dort findet ihr einige handverlesene Fotografien von mir, die ihr als Kunstdrucke für euer Heim (oder das eines geliebten Mitmenschen, wir bewegen uns auf Weihnachten zu ;-) ) bestellen könnt!

Was Marketing angeht muss ich wohl noch einiges lernen...ich glaube, im Fotografieren bin ich besser...