08.01.2022
Die Geschichte hinter "Eisiger Wind"
Januar 2021.
Es ist kalt. Verdammt kalt. Und wunderschön verschneit und gefroren.
Mila und ich fahren früh los, noch im Dunkeln, um noch einen der begehrten Parkplätze in der Nähe vom Radau-Wasserfall bei Bad Harzburg zu bekommen.
Denn von dort aus möchten wir zu einer der schönsten Winterwanderungen starten, die wir bisher unternommen haben. Das wissen wir jetzt aber noch nicht.
Auch nicht, dass ich Wahnsinniger vergessen habe, Winterreifen aufzuziehen und deshalb mit Sommerreifen in den verschneiten Harz fahren! Das wird mir erst beim Wechsel auf Sommerreifen im April auffallen, der sich als völlig überflüssig erweist.
Wer im Schnee fahren kann, kann halt im Schnee fahren. Harzkind eben.
Ich hatte trotzdem schon bessere Ideen. Das aber nur am Rande.
Wir haben Glück, zwei Plätze sind noch frei.
Wir gehen ein kurzes Stück den Waldweg entlang und queren direkt ein Mal die Radau und den Hanggraben, bevor wir den Aufstieg auf den Winterberg angehen.
Ganz hinauf soll es aber nicht gehen, wir haben als erstes Ziel die Eckertalsperre, um uns dort den Stempel Nr.1 der Harzer Wandernadel abzuholen.
Verschneite Landschaft umgibt uns, und schon bald erhaschen wir einen ersten Blick auf den Brocken. Und den einzigen für heute, denn das, was ich eingangs für Nebel halte, der vielleicht für ein bisschen Stimmung sorgen könnte, entpuppt sich schnell als Schneeschauer!
Wir wandern zur Wetterschutzhütte am Hasselkopf und machen dort kurz Halt, um uns mit etwas warmem Tee und einer Kleinigkeit zu Essen zu versorgen. Es schneit dicke Flocken, und es ist wunderschön!
Mit dem Thermobecher in der behandschuhten Hand gehen wir weiter, die Teerstraße entlang hinunter zur Staumauer. Die Treppe hinunter auf die Mauer ist ordentlich verschneit und vereist und wir setzen vorsichtig einen Fuß vor den anderen, um nicht auf die Nase zu fallen.
Den Weg über die Staumauer entlang ist der Schnee vor allem in der Mitte von den Wanderern, die in den Vortagen hier lang gegangen sind, dich zusammengepresst…aber eben nur in der Mitte. Deshalb gleicht das Queren der Brücke einer ziemlichen Schlitterpartie und wir sind froh, als wir endlich auf der anderen Seite ankommen. Einst verlief hier, mitten durch die Talsperre, eben entlang der Ecker die innerdeutsche Grenze, damals war die Mauerkrone durch eine aufgesetzte Mauer, die durch die ostdeutschen Grenztruppen errichtet worden war, abgetrennt worden.
Glücklicherweise sind das Zeiten, die in der Vergangenheit liegen.
Wir erreichen unser erstes Tagesziel auf dieser Wanderung: die Stempelstelle Nr. 1 der Harzer Wandernadel.
In wirklich traumhaftester Winteridylle holen wir uns die Stempel und mein Blick wandert über die Talsperre.
Mich fasziniert, wie der Schneefall fast wie Nebel wirkt und die dicken Schneeflocken im Wind tanzen.
Ich fürchte, dass es für die Kamera zu viel sein könnte, aber ich kann nicht widerstehen.
Ich öffne den Rucksack schnell und zücke meine Nikon D90, schließe den Rucksack sofort wieder, damit kein Schnee hinein gelangt. Dass die Kamera selbst nicht wetterversiegelt ist, macht mir etwas Sorgen, das Motiv ist mir das Risiko aber wert. Ich habe sie schon früher zumindest auch Nieselregen ausgesetzt, sie war mit mir auch auf Island…sie wird das schon schaffen.
Trotzdem ist dies der Moment, indem ich beschließe, als nächstes eine wetterversiegelte Kamera zu kaufen.
Ich muss schnell sein, also schalte ich die Kamera in den Automatik-Modus, denn ich möchte nur sicherstellen, dass ich das Bild bekomme und dabei nicht ständig an den Einstellungen herum fummeln muss.
Wieder und wieder wische ich die Linse ab, drücke den Auslöser, wische die Linse ab, drücke den Auslöser. Ich probiere unterschiedliche Bildausschnitte und Brennweiten, die mir mein Objektiv bietet, aus.
Am Ende entscheide ich mich für 18 mm, das Weiteste, was mir möglich ist.
Ob das Bild tatsächlich etwas geworden ist, werde ich erst wissen, wenn wir wieder zuhause sind und ich es auf einem großen Bildschirm sehen kann, aber so, auf dem kleinen Display sieht’s schon mal ziemlich vielversprechend aus.
Ich wische die Kamera mit einem Taschentuch trocken und packe sie zügig zurück in den Rucksack.
Mit den Stempeln in den Wanderpässen und einigen vielversprechenden Aufnahmen auf der SD-Karte machen wir unseren Weg zurück über die Staumauer und suchen uns einen Pfad an der Talsperre hinab in’s Eckertal, wo wir noch eine kurze Weile an der Ecker entlang wandern, bevor wir einen erneuten Anstieg auf uns nehmen.
Am Molkenhaus wartet nämlich noch ein weiterer Stempel auf uns.
Noch den ganzen Tag werden wir von starkem Schneefall und dichtem Nebel begleitet. Unsere Schritte, unsere Unterhaltungen werden von der uns umgebenden Witterung gedämpft, man hört kaum jemand anderen oder irgendwelche Umgebungsgeräusche und das ist echt ungewohnt, aber faszinierend.
Und so wandern wir weiter durch verschneite Wälder und weiße Wiesen und sammeln auf dieser Runde noch drei weitere Stempel:
Am Molkenhaus, am Luchsgehege und am Ende sogar noch am Kreuz des deutschen Ostens.
Zum Abschluss haben wir noch einmal einen Anstieg vor uns, denn dummerweise befinden wir uns jetzt unterhalb unseres Parkplatzes.
Und das ist wirklich unangenehm: wenn man schon einen ganzen Tag wandern in den Knochen hat, einen Anstieg zum Ende. Da wird jeder Schritt zur Qual. Vor allem nach fast 23 Kilometern.
Erschöpft, aber glücklich erreichen wir den Parkplatz und freuen uns drauf, dass der Caddy 'ne Sitzheizung hat.
Ich habe hin und her überlegt, ob ich das Foto mit in den Shop aufnehmen möchte, weil ich dachte...das ist nicht interessant genug...
Aber das Bild hängt jetzt seit mindestens 9 Monaten in unserer Wohnung, und jedes Mal, wenn ich es anschaue, macht das was mit mir. Ich weiß nicht, was es ist, aber dieses Bild beruhigt mich und nimmt mich ein bisschen aus meinem Alltag (genauso, wie "Unter Eisriesen", deshalb hängen die beiden Bilder bei uns auch seit jeher direkt beieinander).
Und deshalb dachte ich mir:
Doch, ich möchte es mit anbieten.
Kalt, aber wunderschön! Und erst durch die dicken Schneeflocken wird das Bild so stimmungsvoll!
Bei uns zuhause hängen "Eisiger Wind" und "Unter Eisriesen" direkt beieinander, für mich gehören die beiden Fotos einfach zusammen.
Unsere Route von diesem Wandertag. Eine schöne Strecke, trotz des dicken Nebels.