15.12.2021


Warum es wichtig ist, ein Archiv anzulegen.


Ich fotografiere schon länger.
Länger, glaube ich, als ich vorher nicht fotografiert habe. 

Im Laufe der Zeit lernt man eine ganze Menge.
An Anfang habe ich mich einfach auf mein Bauchgefühl verlassen, was Kompositionen angeht. Und alles, worauf ich von technischer Seite geachtet habe, war, ob der Fokus stimmt und ob der Belichtungsmesser zufrieden ist.
So bin ich eine ganze Weile unterwegs gewesen, und ein paar schöne Fotos sind auch entstanden, ganz ohne, dass ich wusste, wie Blende, ISO und Belichtungszeit zusammen hingen.
Irgendwann kam dann das Belichtungsdreieck in mein Bewusstsein, und als das halbwegs gesessen hat, habe ich so langsam verstanden, dass man auch über Komposition eine Menge lernen kann.
Damit tu' ich mich übrigens bis heute schwer.
Ich glaube, Bilder komponieren beherrschen ist schwerer, als zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. 

Aber heute geht's mir gar nicht um "on location". 

Denn man lernt auch eine ganze Menge darüber, was Zuhause noch mit Bildern passiert, spätestens wenn man anfängt, in RAW zu fotografieren und die Entwicklung gänzlich selbst vorzunehmen.
Warum eine RAW-Datei so platt aussieht und wie man daraus seine Vision verwirklicht.
Bei einer RAW-Aufnahme sammelt der Sensor einfach alles, was er an Information aufnehmen kann, und es wird praktisch ungefiltert in einer Datei gespeichert (vielleicht läuft  dabei noch mehr ab, aber so habe ich es bisher verstanden und brauche für meine Zwecke nicht mehr an Hintergrundwissen).
Deshalb sind RAW-Dateien auch um ein Vielfaches größer, als JPEGs.
Laut Wikipedia ist RAW tatsächlich kein Akronym für irgendetwas, sondern schlicht das englische Wort "raw", also roh, was die Dateien ja auch ganz gut beschreibt.
Im Deutschen wird es übrigens als "Rohdatenformat" bezeichnet. 

Und je länger man RAW-Dateien selbst entwickelt, desto mehr Tricks und Kniffe lernt man. Wann muss ich Rauschen unterdrücken, wo sieht Körnung im Bild vielleicht sogar gut aus? Wie viel Nachschärfen ist gut, wann ist's zu viel und wann sollte ich ganz die Finger davon lassen?
Und wie sollte ich das Bild hinterher exportieren, wenn ich fertig bin, worauf dabei achten? 

Genau darum geht's mir dieses Mal.
Denn im Zuge der Erstellung der Website schaue ich mir auch meine alten Aufnahmen an und prüfe, ob sie nicht nur vom Motiv her, sondern tatsächlich auch von der Qualität der Darstellung her gut genug sind, um groß gedruckt zu werden.
Und dabei musste ich feststellen, dass einige meiner liebsten Fotos leider nicht hergeben, was ich gern hätte.
Weil ich damals noch nicht genug über die Entwicklung und den anschließenden Export wusste.
Und so muss ich auf das eine oder andere Foto leider verzichten, weil niemand eine große Ansammlung Kompressions-Artefakte anschauen möchte.
Glücklicherweise habe ich zumindest ab und zu geistesgegenwärtig gehandelt, und vor allem Aufnahmen, die ich so schnell nicht wiederholen kann, im RAW-Format aufgenommen und danach in's Archiv gelegt, also unbearbeitet auf einer meiner Festplatten gespeichert.
Das ermöglicht mir, jetzt, und mit dem heutigen Wissensstand, die Bilder nochmal zu entwickeln. 

Aufgefallen ist es mir, als ich das "Drachenei" für den Druck vorbereitet habe.
Also ich mir die Datei auf 100% angeschaut hatte, fielen mir all die oben erwähnten Artefakte auf, und so, wie es da war, hätte ich es nicht in groß drucken wollen.
Das Foto ist in unseren Flitterwochen auf Island entstanden, eine Reise, die ich so bald wohl nicht wiederholen werde. Deshalb hatte ich damals die Rohdateien auf meiner Festplatte geparkt, man weiß ja nie, was mal ist.
Und so konnte ich es mir nochmal vornehmen. 

Da ich zur Entwicklung seit kurzem nicht mehr Adobe Lightroom benutze, sondern Capture One und Affinity Photo, war es nicht ganz einfach, den exakt gleichen Look zu erreichen, aber ich finde, ich bin ziemlich dicht ran gekommen.
Dieses Mal habe ich allerdings das Bildrauschen noch ein wenig entfernt. Damit bin ich üblicherweise eher sparsam, weil ein Foto dadurch schnell "samtig", unnatürlich und unscharf wirken kann. Mit Bedacht eingesetzt kann es aber durchaus helfen. 

Als ich mir der Entwicklung fertig war, habe ich die Datei wieder als JPEG exportiert, habe aber sichergestellt, dabei die höchste Qualität einzustellen.
Und wenn ich mir jetzt den Vergleich zwischen alt und neu ansehe, gefällt mir der neue Edit doch deutlich besser. 

Kleiner Tipp:
Alle Dateien, die von Lightroom oder von Capture One in den Katalog importiert werden, werden dabei im Ursprungsformat in einem designierten Ordner gespeichert.
Da ich zum Beispiel also noch viele, viele Fotos von Reisen der letzten Jahre mit Lightroom entwickelt habe und die immer noch im Katalog sind, bedeutet das, ich habe die Rohdateien noch.
Und so werde ich mir eine ganze Reihe davon noch einmal vornehmen und kann einige meiner liebsten Erinnerungsstücke nochmal in höchster Qualität fertig machen.
Da freue ich mich jetzt schon drauf!

Unten siehst du drei Vergleichsbilder, wie der alte zum neuen Edit aussieht. Ich finde den Unterschied gewaltig!

So sieht man noch gar nicht so viele Unterschiede, außer, dass Farben und Kontrast nicht zu 100 % identisch sind.

Durch ein wenig Rauschreduktion wirkt das Bild sauberer, auch wenn es ein kleines Bisschen Schärfe einbüßt.

Die Details sind jetzt deutlich sauberer dargestellt, die Artefakte aus der Kompression sind verschwunden.