06.02.2022

Fujifilm und Filmsimulationen 

Das Thema ist groß und es gibt ganze Websites, die sich nur darum drehen. 

Und das ist verständlich, die Simulationen haben echt Potential! 

Sie ermöglichen ein bisschen, das Fotografieren wieder so zu erleben, wie früher. 

Wobei das Auslegungssache ist. 

Wer früher nicht nur analog fotografiert, sondern anschließend auch seine Filme selbst entwickelt hat oder das sogar heute noch so arbeitet, für den sind auch die Filmsimulationen moderner Schnickschnack. 

Wer aber auf Film fotografiert hat und die volle Rolle dann einfach in der Drogerie des Vertrauens abgegeben hat, um hinterher die entwickelten Negative und Abzüge abzuholen, der könnte hier etwas Nostalgie verspüren. 

 

Mir geht es zumindest so. 

Denn angefangen habe ich genau so, und es war für mich immer spannend und aufregend, wenn ich nach drei Tagen meine Fotos abholen konnte. 

 

Das Ganze funktioniert so: 

Man stellt seine Fujifilm-Kamera (denn bisher, zumindest meines Wissens nach, sind Fujifilm die einzigen, die dieses Feature anbieten) so ein, dass sie JPEG-Dateien abspeichert. Es empfiehlt sich, wie ich vor kurzem schmerzlich feststellen musste, immer auch RAW-Dateien mitzunehmen! 

Aber dazu später mehr. 

In jedem Fall bietet die Kamera von sich aus eine Auswahl an vorprogrammierten Filmsimulationen wie Provia, Astia oder Velvia, alles Filme, die aufgrund ihrer jeweiligen charakteristischen Eigenschaften, wie Darstellung der Farben, Kontraste, dynamischem Umfang, Körnung etc. hohe Beliebtheit genießen. 

Darüber hinaus kann man selbst Voreinstellungen vornehmen und abspeichern und damit auch andere Filmlooks imitieren. 

Dafür kannst du übrigens hervorragende Vorlagen finden, zum Beispiel auf der Webseite von FujiXWeekly

Dort findest du auch eine Anleitung, wie du selbst eine Filmsimulation in deine Fujifilm-Kamera einprogrammieren kannst. 

Mein persönlicher Favorit ist bisher übrigens die Kodachrome II – Simulation für meine Fujifilm X-T3, in der ein X-Trans IV-Sensor verbaut ist. 

 

Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Ich will mich nicht mit dem trockenen, technischen Kram aufhalten, sondern davon erzählen, was im Kopf passiert. Wie sich meine Herangehensweise ändert, wenn ich entscheide, mit einer Filmsimulation zu fotografieren. 

 

Eine Simulation auszuwählen ist, wie einen bestimmten Film in das Gehäuse zu laden, mit dem angenehmen Vorteil, nicht erst nach 36 Auslösungen wechseln zu können, sondern nach jedem Schuss. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass das Display direkt zeigt, wie das Endergebnis aussehen wird, ohne, dass man warten muss, bis der Film entwickelt und Abzüge gemacht sind. 

Und in Hinblick auf digitale Fotografie entfällt die Entwicklung am PC. 

Klar, die Möglichkeiten, die RAW-Dateien und Software bieten, sind immens und es kann riesigen Spaß machen, wirklich die Kontrolle über jeden einzelnen Aspekt im Bild zu haben. 

Aber manchmal habe ich da keine Lust drauf, vor allem, weil die Postproduktion echt zeitintensiv werden kann. 

Manchmal möchte ich einfach ein Motiv Fotografieren und ein fertiges Bild haben. 

Und eben da bietet es sich an, die Kamera auf JPEG umzustellen und, wenn man einen bestimmten Look möchte, eine Filmsimulation zu nutzen. 

Wenn man diesen Antrieb hat, dass das Bild bereits in der Kamera entwickelt werden soll, dann gibt es zumindest für mich dem einzelnen Schuss ein höheres Gewicht. 

Denn auch wenn ich die Möglichkeit hätte, unendlich viele Bilder zu schießen, was ja der Vorteil gegenüber der tatsächlichen Filmfotografie ist…irgendwie verändert sich meine Herangehensweise. Meine Geisteshaltung. 

Ich denke mehr über das einzelne Foto nach, überlege länger und genauer, bevor ich den Auslöser drücke. 

Denn wenn alles gut geht und ich die richtige Komposition wähle, Belichtung, Blende, Iso, wenn das alles in diesem Moment stimmt…dann ist das Bild fertig, sobald ich den Auslöser drücke. 

 

Und wenn man neben JPEG- auch RAW-Dateien aufnimmt, kann man sogar noch in der Kamera nachträglich über das gleiche Bild eine andere Simulation legen oder es doch am PC ganz und gänzlich selbst entwickeln. 

 

Und außerdem kann man dann für's nächste Mal nicht vergessen, wieder von JPEG auf RAW umzustellen. 

Dann fotografiert man auch nicht einen bunten Sonnenaufgang am Maschsee und stellt Zuhause dann fest, dass man mächtig wenig Spielraum zum Entwickeln hat! 

 

Junge, das war ärgerlich. 

Das passiert mir hoffentlich nicht nochmal! 

Die RAW-Datei ohne weitere Anpassungen

Das Bild mit der Filmsimulation "Kodachrome II" von der Fuji X Weekly - Website.
Die Farben sind etwas kräftiger, die Kontraste ebenso.

Im direkten Vergleich sieht man den Unterschied recht deutlich.

In der Vergrößerung kann man auch die künstliche Körnung der Simulation erkennen, die dem Foto ein analoges Gefühl verleiht.
Das alles kann man zwar auch selbst in der Entwicklung erreichen, aber es ist schon schön, dass die Kamera das von ganz alleine kann. Wie früher, mit Film.
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