25.03.2022

Bilanz nach 4 Wochen Hannover in 50 mm

 

 

Ich hab‘ es versucht. 

Bei den Göttern, ich hab‘ es wirklich versucht. 

Aber es war beim besten Willen nicht leicht für mich. 

 

4 Wochen sind es jetzt, in denen ich zumindest hier in Hannover ausschließlich meine 50 mm Festbrennweite nutze, so lange ich im Stadtgebiet unterwegs bin. 

Und ist nicht so, dass diese Einschränkung dafür gesorgt hat, dass ich Fotografie plötzlich mit neuen Augen sehe, dieses Objektiv jetzt voll und ganz verinnerlicht habe und mich kaum bremsen kann, nur noch damit zu arbeiten. 
Ob es daran liegt, dass es eigentlich eine typische Portrait-Brennweite ist, Portraits aber eher nicht so mein Ding? Oder liegt es doch daran, dass ich mir Landschaft wünsche, die es hier in Hannover aber leider nicht gibt, und wegen dieser Erwartungshaltung stehe ich mir im Weg?
Das wäre dann ja aber unabhängig von der Ausrüstung...
 

Was habe ich bisher gelernt? 

 

Ich habe gemerkt, dass auf dem Crop-Sensor 50 mm schon verhältnismäßig eng sind. 

Die Brennweiten, die für Linsen angegeben sind, orientieren sich an Vollformatkameras, deren Sensoren eben genau so groß sind, wie einst der analoge Film (den’s zwar nach wie vor gibt, der aber bei Weitem nicht mehr so flächendeckend verbreitet ist). 

Eine Brennweite ist ein fixer Wert, unabhängig vom Sensor, der hinter der Linse verbaut ist. 

Das Bild, das auf der Sensorebene abgebildet wird, verändert sich nicht, sondern lediglich die Fläche, also der Bildausschnitt, der erfasst wird. 

Ein kleinerer Sensor bei gleichbleibender Brennweite hat den gleichen Effekt, wie gleichbleibende Sensorgröße bei größerer Brennweite. 

Und genau das ist der Knackpunkt: 

Denn ein Crop-Sensor, wie meine X-T3 ihn verbaut hat (und zugegeben auch alle anderen, die hier im Schrank liegen), hat einen sogenannten Crop-Faktor von 1.53 (dieser Wert variiert von Hersteller zu Hersteller, unsere Nikon-Maschinen haben vermutlich einen minimal anderen Wert). 

Hier mal ein Blick in meine Kamera mit dem APS-C-Sensor.
In Grün zum Vergleich die Größe eines Vollformatsensors.

Der Crop-Faktor ist eine Zahl, mit dem die Brennweite der Linse multipliziert werden muss, um das entsprechende Vollformat-Äquivalent zu erhalten. 

Was das bringt? Nur ein besseres Gefühl dafür, was man da vor sich hat, weil üblicherweise, wenn Brennweiten diskutiert werden, sich dabei eben auf Vollformat bezogen wird. Einen anderen Nutzen habe ich darin noch nicht gefunden. 

Mir hat es aber geholfen, zu verstehen, warum 50 mm sich, wie eingangs erwähnt, so „eng“ anfühlen. 

Denn 50 mm x 1,53 ergeben 76,5 mm effektive Brennweite, was schon eine ziemlich lange Brennweite ist und bereits in den Tele-Bereich reicht (der beginnt per Definition bei 60 mm), womit ein relativ enger Bildausschnitt verbunden ist. 
 

So. 

Noch alle dabei? Schön. 

Dann kommen wir jetzt zurück zu meinem Experiment. 

 

Ich bin also mit einem mächtig engen Bildausschnitt in der Stadt unterwegs und will nach Möglichkeit Landschaft fotografieren...weil mich das eben am meisten reizt. 

Es ist mir nicht leicht gefallen, mit diesem engen Bildausschnitt interessante Kompositionen zu finden. 

Für größere Bildausschnitte einer Szenerie muss ich schon recht weit davon entfernt sein, dafür ist die Stadt aber zu dicht bebaut. 

Das Rathaus in Gänze drauf bekommen? 

Wer mein letztes Video gesehen hat, erinnert sich vielleicht: ich hab‘ ganz am Ende des Maschteichs gestanden und mit 56 mm Brennweite gerade so die Brücke und noch einen halben Baum auf’s Bild bekommen. 

Um das ganze Rathaus ablichten zu können, hätte ich vermutlich wenigstens beim Sprengel-Museum stehen müssen – und dann wäre zu viel Bewuchs, zu viel Straße, zu viel Stadt im Weg gewesen und ich hätte zwar vielleicht das ganze Rathaus bekommen können, hätte dafür aber nix mehr davon gesehen. 

 

Und vor solchen Herausforderungen stand Ich andauernd: entweder mir verdeckt etwas mein Subjekt der Begierde oder ich kann nicht weit genug zurück gehen, um alles auf’s Bild zu kriegen. 

An sich kein uninteressanter Bildausschnitt, aber ich hätte gern etwas mehr Vordergrund gehabt. Dafür hätte ich aber weiter zurück gemusst und wäre wahlweise in das Lokal hinter mir gestolpert oder im Maschsee schwimmen gegangen. Und ja, das Bild ist beschnitten, aber das nur, um ein bisschen störendes Gestrüpp auszuschließen. Ich werd' das bald nochmal mit einer weiteren Brennweite ausprobieren.

Womit ich etwas mehr Erfolg hatte – nach dieser Aussage irgendwie vorhersehbar – waren Details, kleinere Subjekte.

Im Allgemeinen fällt es mir wesentlich leichter, solche Bilder zu komponieren, weil von vornherein weniger Komponenten das Bild ausmachen.

Dazu kommt, dass das Nikkor 50mm 1.8 ein echtes Bokeh-Monster ist, und mit der geringen Tiefenschärfe durch die große Offenblende ermöglicht, den Fokus noch besser dort hin legen zu können, wo man ihn haben möchte.

Oft ist mir die geringe Tiefenschärfe tatsächlich schon zu gering und ich schließe die Blende etwas, damit man auf dem Bild genug erkennt.

 

Und so habe ich also die Augen nach Details offengehalten und ein paar niedliche Szene und Motive gefunden.

Ein wildes Vogelhaus an den Ricklinger Kiesteichen. Wer mag das dort platziert haben?

Efeu, der als Nutznießer einen Baumstamm herauf wächst oder, mein persönlicher Favorit, die ersten Blüten eines Strauchs, den ich nicht näher benennen kann, weil ich eine 4 in Bio hatte, im Sonnenuntergang (Update: es ist die Kornelkirsche).

Letztere haben gute Chancen, der neueste Zugang in meinem Onlineshop zu werden.

 

Diese Brennweite, 50 Millimeter, ist eine klassische Portrait-Brennweite, auch wenn auf Crop-Sensoren der Ausschnitt etwas eng ist. Aber wenn man sie so benutzt und mit diesem Wissen im Hinterkopf auf Motivsuche geht, dann kann man schon sehr schöne Bilder machen.