18.05.2023 - Fokusstapler
Heute möchte ich mich Mal an so etwas wie einem Tutorial versuchen und dir erklären, wie du ein Foto mit großem Blickfeld aufnimmst und dabei alles, und ich meine wirklich alles im Bildausschnitt scharf abbildest.
Dafür gibt es, zumindest meines bescheidenen Wissens nach, drei Methoden.
- Den Fokusstapel aus mehreren Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokuspunkten (womit das Geheimnis eigentlich auch schon gelüftet ist)
- Die Blende schließen, so weit es geht und die entstehenden Artefakte in Kauf nehmen (wie stark die auftreten hängt von der Qualität des Glases ab)
- Oder du fotografierst einfach und zwingst die Software deines Vertrauens zum Schärfen, bis nirgends mehr Unschärfe vorhanden ist und nix mehr aussieht, wie das, was du eigentlich gesehen hast. (Ich denke, wir sind uns einig, dass das keine Option ist)
Erklären möchte ich heute die erste Methode, weil die zum saubersten Ergebnis führt.
Das habe ich zwar schon einmal in diesem Video aus dem Elendstal getan, aber das Foto, anhand dessen ich das erklären möchte, ist ein deutlich schöneres Beispiel.
Das hier ist das Endergebnis.
Diese Methode bietet sich an, wenn man einen interessanten, aber nicht überladenen Vordergrund und einen interessanten Hintergrund hat.
Nötig ist dafür
- Eine Kamera, an der der Fokuspunkt oder -Bereich manuell gewählt werden kann
- Ein Stativ
- Eine Software, die des Focus-Stackings mächtig ist (bei meinem ersten Mal hab ich das von Hand gemacht…das will wirklich keiner…)
Ich hatte die Idee der untergehenden Sonne hinter der Baugruppe, wobei es schon gewesen wäre, die Bäume wären dichter an der Kamera oder umgekehrt.
Das hätte aber bedingt, dass ich in das Rapsfeld hinein laufe, und auch wenn Mila’s Fotos von mir danach aussehen – das liegt am gekonnten Framing – ich stehe am Rand des Feldes zwischen einigen vereinzelten Pflanzen.
In ein solches Feld hinein laufen und damit Schaden an den Pflanzen riskieren möchte ich nicht
Dann doch lieber kleine Bäume im Foto.
Der blühende Raps vor bot sich als Vordergrund für einen Focus – Stack an, weil die Pflanzen eine wiederkehrende Struktur boten und dabei vor allem direkt vor der Kamera genug Raum zueinander hatten, sodass einzelne Pflanzen und deren Details erkennbar sind.
Ich habe mir also, als absehbar war, wo genau die Sonne untergeht und dass das erhoffte Licht kommt, eine passende Stelle gesucht und den Bildausschnitt festgelegt.
Als nächstes folgen die Aufnahmen.
Aufgrund des großen dynamischen Umfangs muss ich den Himmel extra ablichten und kümmere mich erstmal um den deutlich dunkleren unteren Teil des Bildes, bei dem der Fokusstack zum Tragen kommt.
Die Einstellungen bleiben hierbei für alle Fotos gleich, nur den Fokuspunkt verschiebe ich.
Ich mache vorsichtshalber mehr Aufnahmen, als ich zu brauchen glaube, damit ich ganz sicher genug Überschneidung der jeweiligen Schärfe-Bereiche habe.
Das Fotobearbeitungsprogramm, in meinem Fall Affinity Photo, vergleicht beim Stapeln nämlich die Bilder hinsichtlich der Bereiche, die im Fokus sind und fügt jeweils die schärfsten zusammen.
Und deshalb ist es wichtig, dass die Bereiche weit genug überlappen, sonst habe ich am Ende ein Bild, bei dem irgendwo mittendrin ein Abschnitt doch unscharf ist.
Hatte ich schon, sieht blöd aus.
Zum Schluss mache ich das gleiche für die Auslösung für die hellen Bereiche.
Was völlig unnötig ist, weil ich diese Aufnahme ja des hellen Himmels wegen mache und ein Himmel üblicherweise verdammt weit weg ist. Also brauche ich letzten Endes nur die Aufnahme, bei der ich auf den Baum fokussiert habe.
So hat der Baum und der Horizont scharfe Konturen, wodurch das Zusammenfügen von Aufnahme für Helle und Stapel der dunklen Bereiche sauber funktionieren kann.
Das eigentliche Zusammenfügen der Bilder erläutere ich nicht weiter, weil das Fotoprogramm deines Vertrauens, sei es Adobe Photoshop, Affinity Photo, Helicon Focus, Zerene Stacker (über diese zwei habe ich nur flüchtig gelesen) das eigentlich automatisch macht.
Jetzt weißt du aber, was du „in the field“ machen und worauf du achten musst, damit dir ein sauberer Fokusstack gelingt und ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren!
Es kommt ja jetzt ein schön langes Wochenende, an dem man das mal ausgiebig testen kann!
Schick‘ mir gern eine Nachricht oder lass mich sonst irgendwie wissen, ob dir dieser Artikel gefallen hat und ob du gerne öfter mal ein „Wie mache ich eigentlich…?“ lesen würdest.
Und sollte dieser Artikel zu einem Foto führen, das du veröffentlichst, verlink‘ mich gerne! Ich fänd‘ nämlich irre spannend, zu sehen, was dabei rum kommt!