20.02.2022
Hannover in 50mm
Ich befinde mich derzeit motivationstechnisch ein bisschen in ‘nem Tief, wenn's um Fotografie geht.
Das passiert mir immer dann, wenn das Wetter über längere Zeit langweilig und grau ist.
Denn gerade hier in der niedersächsischen Tiefebene tut das Wetter eine ganze Menge für Landschaftsfotos.
Plane Felder bei monotonem Wolkenhimmel sind halt nicht besonders spannend.
Ein Hoch auf den Niedersächsischen Flachland-Winter!
Bock zu fotografieren habe ich aber trotzdem, mit fehlt nur die Lust, mich hier vor die Tür zu begeben, weil ich das Gefühl habe, es sieht ohnehin alles gleich und langweilig aus.
Vor ein paar Tagen hat die Sonne übrigens mal kurz vorbeigeschaut und uns einen großartigen Sonnenaufgang beschert, den ich dank ein bisschen Recherche direkt mitnehmen konnte. Kaum ist wieder etwas Abwechslung am Himmel, geht auch der Bock durch die Decke! Dazu wird es auf meinem Youtube-Kanal bald auch ein Video geben (also nicht vergessen: abonnieren und Glocke schellen, damit du es mitbekommst 😉)
Allerdings war das nur ein recht kurzes Gastspiel und so sind wir Jahreszeiten-konform wieder bei einem fröhlichen Grau-in-Grau.
Aber ich will mich damit nicht abfinden, und es gibt viele Möglichkeiten, um aus einem solchen KreaTief (haHAAa, liebe Grüße an die Flachwitz-Fraktion) zu kommen.
Zum Beispiel kann man sich einer neuen Kategorie der Fotografie widmen.
Denn wenn man schon eine längere Zeit in einem Genre unterwegs ist, hat man den steilen Abschnitt der Lernkurve vermutlich so langsam hinter sich und es gibt nicht mehr jeden Tag etwas völlig Neues zu lernen.
Das Belichtungsdreieck aus Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO, die Goldene Regel als Hilfestellung für die Bildkomposition oder was Langzeitbelichtungen sind und wie man sie aufnimmt – das ist reichlich Lernstoff für den Anfang, aber irgendwann hat man das alles raus.
Dann kommen die Genre-typischen Dinge wie Fotografieren mit verfügbarem oder künstlichem Licht, Arbeit mit Models oder Tieren oder Belichtungs- oder Fokusstapel und je tiefer man eindringt, desto mühseliger ist es, sich neues Wissen anzueignen.
Es gibt schon eine ganze, GANZE, Menge Zeug zu lernen, aber in keinem Genre nutzt man alles davon.
Und so ist es eine gute Möglichkeit, sich einem neuen Genre zuzuwenden, um neue Motivation zu wecken.
Statt Landschaften mal Makro, statt Portraits mal Lichtmalerei.
So bekommt man ein neues Thema, in dem man sich neues Wissen aneignen kannst, und da es gegebenenfalls noch recht unbekannt für ist, bietet es eine neue, steile Lernkurve und Erfolgserlebnisse, die allein schon die Motivation neu befeuern können.
Ein anderer Weg, aus einem Kreativitäts-Loch zu kommen ist, sich einem Projekt zu widmen.
Einer Aufgabe, die im Zentrum des Schaffens steht.
Völlig freie Hand zu haben, kann überwältigend sein, und vor lauter Möglichkeiten dazu führen, sich für keine entscheiden zu können.
Wenn aber feststeht, dass das Endergebnis ein Kalender sein soll, der im Querformat gedruckt werden soll, steht damit schonmal die Ausrichtung fest. Wählt man dazu noch ein Thema, vereinfacht das die Motivsuche.
Beispiel: es soll ein maritimer Kalender werden.
Damit bieten sich Motive wie Boote, Seile, Seekarten oder ähnliches an.
Schwarz-Weiß? Industriebauten, urbane Szenerien, Ruinen. Vielleicht einfach interessante Oberflächen und Muster.
Das Ziel kann auch etwas größer gesteckt sein: Ein Fotobuch!
Ein Buch zu einem Thema, das einen ohnehin schon interessiert. Und wenn es die Fotografie selbst ist, weil im Chaos des Alltags für mehrere Hobbies kaum Zeit bleibt.
Dann könnte die Motivsuche sich auf Makroaufnahmen der eigenen Ausrüstung beschränken.
Eine interessante Rändelung am Objektiv, die Knäufe am Stativ, vielleicht die Kontaktpins am Aufsteckblitz.
Sein Künstlerisches Schaffen auf ein Projekt zu beschränken kann einen sowohl aus der Lähmung der unbegrenzten Möglichkeiten als auch aus der Ideenlosigkeit holen und ist ein großartiger Weg, die Kreativität wieder zu wecken.
Ein Retroring war alles, was ich noch kaufen musste, um vorhandene Technik zu nutzen und einen Einblick in die Makrofotografie zu erhalten.
Für mein Beispiel habe ich einfach eine Taschenlampe genommen, deren Oberfläche mir gut gefällt. Als Untergrund habe ich mein Notebook genommen, da das Muster schön zu dem der Lampe gepasst hätte. In der Aufnahme war das letzten Endes aber gar nicht nötig.
Mit dem vorhandenen Equipment entstehen zwar keine perfekten Makro-Aufnahmen, es bietet aber einen Einstieg in die Makro-Fotografie, sodass man einen Einblick erhält, ob die Makrofotografie neues Interesse wecken kann.
Eine dritte Möglichkeit ist, sich eine Weile einzuschränken, um aus der Bequemlichkeit, immer alles Mögliche mit dem Equipment machen zu können, einen Zwang zu machen, das Vorhandene zu nutzen.
Und das habe ich vor.
Ich habe ein schönes Objektiv, das ich mir einst für meine alte Nikon D90 gekauft habe, eine Nikkor 50mm f1.8 Festbrennweite.
Mit Hilfe eines simplen Adapters kann ich dieses Objektiv auch an meine X-T3 schrauben, auch wenn ich dabei sämtliche Automatismen verliere.
Zwar gibt es auch sogenannte Smart-Adapter, die die elektrischen Signale vom Objektiv an die Kamera weitergeben, aber die sind so teuer, und die Hilfsmittel der Kamera wie Focus Peeking, Histogramm und Live-Vorschau sind so gut, dass ich die Investition bisher noch nicht eingesehen habe.
Mit diesem Objektiv möchte ich mich ein bisschen einschränken. Ein bisschen ist gut! Ich möchte mich gewaltig einschränken, aber das kann helfen, den Blick zu schulen.
Ich finde es schwierig, mir mit bloßem Auge vorzustellen, welchen Bildausschnitt mir welche Brennweite bietet, und genau dagegen will ich was tun.
Außerdem mag ich die Linse unheimlich, nicht zuletzt wegen ihrer 1.8er Offenblende.
Deshalb habe ich mir ein Projekt vorgenommen, bei dem dieses Objektiv eine entscheidende Rolle spielen wird, denn es soll das einzige sein, das im Rahmen dieses Projekts zum Zuge kommt.
Ich möchte Hannover in 50 mm Fotografieren, und zwar vorerst für die nächsten 4 Wochen ausschließlich.
Wann immer ich im Stadtgebiet zum Vergnügen mit der Kamera losziehen will, wird mein Setup aussehen, wie folgt:
Meine Fujifilm X-T3
Das Nikkor 50 mm 1.8 AF
Ein quenoX Adapter von Nikon F- auf Fuji X-Bajonett
Step-Up Ringe von XCSource und ND-Filter von Gobe (ND 4 / 16 / 32) und Rollei (ND 8 / 64 / 1000)
Das Rollei C50i oder alternativ das Rollei Compact Traveller No.1
Das Equipment ist übrigens vollumfänglich von eigenem Geld erstanden worden. Das ist keine beauftragte Werbung oder ähnliches, ich nur darstellen, was ich nutze.
That’s it. Travel light.
Vermutlich wird' ich in den meisten Fällen sogar auf das Stativ verzichten, aber die Möglichkeit möchte ich mir offenhalten.
Wenn ich mal ein Video darüber aufnehmen sollte, kommt für die Videografie dann noch das dafür notwendige Geraffel dazu, aber für die Fotografie soll es das gewesen sein.
Ich bin gespannt, ob ich das durchziehen kann oder irgendwann der Versuchung erliege, doch mal nach einer anderen Linse zu greifen.
Ja – wenn es mich mal aus der Stadt trägt, werde ich meine übliche Ausrüstung mitschleppen, denn es passiert selten genug, dass ich mir die Zeit nehme, wirklich mal “außerhalb” zu fotografieren. Wenn ich hier in Hannover merke, dass ich eine andere Brennweite für ein Motiv bräuchte, kann ich mir das merken und bald wieder kommen. Sollte ich aber in den Harz fahren, an’s Meer oder sonst wo hin, dann möchte ich doch die Optionen haben, denn es passiert selten, dass ich dicht hintereinander zwei Mal an den selben Ort fahre.
Aber hier im Stadtgebiet Hannover soll es für die nächsten 4 Wochen mein einziger Begleiter sein.
Und damit habe ich vorgestern begonnen, mit etwas “Close-Up-Fotografie in der Ricklinger Masch, und direkt gemerkt, wie ich Lust bekommen habe, wieder mehr zu fotografieren!
Mal sehen, was die nächsten 4 Wochen noch so bringen werden.
Ein wildes Vogelhäuschen in der Ricklinger Masch. Die große Offenblende bietet ein schönes Bokeh, wohl der Hauptgrund, weshalb ich das Objektiv so gern mag.