13.04.2022
 

Meine wichtigsten Apps für die Fotografie und wie zuverlässig sie sind 

 

[Allem voran: das hier ist keine bezahlte Werbung, sondern einfach mein Erfahrungsbericht dazu, welche Apps mir wie nützen und wie zuverlässig sie das tun.]

Gerade in der Landschaftsfotografie ist man immer dem ausgeliefert, was Mutter Natur für einen bereit hält. 

Wolken, Sonne, Regen oder Stürme, Schnee, die Gezeiten. 

Wir können nichts davon beeinflussen, wir können nur nehmen, was wir geschenkt bekommen. 

 

Und ich sage bewusst „geschenkt“, denn schlechtes Wetter ist nicht gleich schlechtes Wetter, ganz im Gegenteil! 

Furioses Wetter bietet oft Chancen für beeindruckende Fotografien, nicht zuletzt, weil es selten vorkommt und das Spiel am Himmel für ständig wechselnde Bedingungen sorgt. Das birgt viel zu entdecken! 

 

Oft ist es auch kein wildes Geschehen, sondern schlicht die Seltenheit, mit der bestimmte Bedingungen auftreten. 

Deshalb finden wir farbenprächtige Sonnenauf- und -untergänge so schön anzusehen: ein seltenes Spektakel, vor allem verglichen damit, was wir üblicherweise für Sonnenauf- und -untergänge sehen. 

Viele stehen häufig erst mit oder gar nach dem Sonnenaufgang auf (gerade im Sommer, in dem die Sonne zu einer Uhrzeit aufgeht, die ich im englischen Sprachgebrauch häufig und zu 100% zutreffend als „Stupid o‘ clock“ bezeichnet sehe), sodass Sonnenaufgänge ein noch seltener beobachtetes Naturschauspiel darstellen. 

 

Zu gewünschten Bedingungen zur gewünschten Uhrzeit an einem gewünschten Ort zu sein hilft also gewaltig, schöne Fotos zu schießen, weshalb Landschaftsfotografen nicht selten auch Hobby-Meteorologen sind und sich daran versuchen, die besten Bedingungen für ein Foto zu ermitteln und dann vorherzusagen. 

Denn keiner von uns will um „Stupid o’ clock“ aufstehen und eine Stunde wandern, um dann festzustellen, dass das Wetter nicht mitspielt und man ganz entspannt hätte ausschlafen können. 

Wir Leute, die wir gern die Natur Fotografieren, haben ohnehin schon ein gestörtes Verhältnis zum Thema Schlaf – blaue Stunde, goldene Stunde, Sonnenübergänge, Astrofotografie, Gewitterstürme…eigentlich können wir nur bei geschlossener, trister, grauer Wolkendecke in Ruhe schlafen…und auch nur dann, wenn wir nicht gerne noch Portraits schießen und dafür die größte Softbox der Welt nutzen wollen. 

Aber Landschaftsfotografen sind meist eh nicht so auf menschlichen Kontakt aus, also geht das schon. 

 

Auf jeden Fall gleicht es aber einer Superkraft, die meteorologischen Bedingungen für ein Foto vorhersagen zu können, und um diese Fähigkeit zu bekommen gibt es da draußen eine ganze Reihe Apps für das Smartphone, durch die man sich durchprobieren kann. 

Ich habe mittlerweile ein System gefunden, mit dem ich für meinen Teil ganz gut klar komme. 

Es ist vielleicht nicht das beste System da draußen, aber es ist mir schon oft gelungen, vorherzusagen, wann es sich lohnt, mitten in der Nacht aufzustehen, obwohl man ausschlafen könnte. 

 

Google Maps, kostenlos 

 

Eignet sich hervorragend, um unbekanntes Territorium zu erkunden, ohne tatsächlich dort sein zu müssen. Klar, man sieht nicht jeden Baum und Strauch, aber es ist möglich, eine grundlegende Idee für die Gegebenheiten zu bekommen. 

Außerdem lässt sich damit der Verlauf der Sonne simulieren, womit man auch herausfinden kann, wo wann die Sonne im Bild sein könnte. 

Leider lässt sich das Wetter bis heute nicht simulieren, weshalb Google Earth nicht ausreicht. 

Zum Scouten benutze ich es aber gern. 

 

Sun Calculator, kostenlos verfügbar (eingeschränkt) oder 8,49€ mit vollem Funktionsumfang 

 

Vermutlich die bisher teuerste App, die ich mir für mein Smartphone geleistet habe, aber ein wirklich gutes Tool, um den Verlauf der Sonne und den Einfall des Lichts zu simulieren. 

Mit ihr kann man für einen beliebigen (die kostenlose Version ist leider nur auf das jeweils aktuelle Datum beschränkt) Tag und für einen frei auf der Karte gewählten Punkt sehen, zu welcher Zeit aus welcher Richtung die Sonne auf die Landschaft fällt. Dafür gibt es zum Einen eine 2D-Karte, auf der ein Beispielzylinder steht, anhand dessen man die Veränderung der Schattenrichtung und -länge sehen kann, gepaart mit Angaben über den Einfallswinkel. 

Zum anderen, und dieses Feature war der Grund, weshalb ich auf die Kaufversion gegangen bin, gibt es eine 3D-Geländesimulation, anhand derer man auch die Veränderung der Lichtverhältnisse im Terrain erkunden kann. 

Die dritte Option ist eine Live-Vorschau Mithilfe der Smartphone-Kamera. 

Hier öffnet die App die Kamera und versieht die Vorschau mit einem Overlay aus Sonnenverlauf, aktueller Position der Sonne, sowie Längen- und Breitengrade. Und auch hier lässt sich die Uhrzeit und das Datum ändern, wobei allerdings keine Anpassung der Lichtverhältnissen in der Kamera-Vorschau erfolgt. 

 

Die „Augmented Reality“, wie die Funktion von den Entwicklern beschrieben wird, nutze ich aber praktisch nie, weil zumindest bei mir das Overlay in den seltensten Fällen korrekt positioniert ist. 

Ob das ein Bug in der App ist, oder ob schlicht der Kompass in meinem Telefon spinnt, kann ich allerdings nicht sagen. 

 

Meteoblue, kostenlos (werbefinanziert) oder 2,99€/Jahr werbefrei und mit Widgets 

 

Mein neuer Favorit für Wetterbedingungen. 

Ich nutze die App bisher in der kostenlosen Version, da sie trotzdem sämtliche Funktionen bietet, die Werbung nicht allzu aufdringlich ist und ich kein Freund von Abo-Modellen bin (habt ihr gehört, Adobe?!?). 

 

Absolutes Totschlagkriterium für diese App: 

Prognose der Wolkendecke! 

Natürlich bietet sie noch weitaus mehr Funktionen wie Windrichtung, Niederschläge etc., aber für mich definitiv am wichtigsten ist, dass diese App grafisch darstellt, wann in welcher Höhe Wolken unterwegs sind! 

Das ist hochgradig wichtig, um zum Beispiel während des Sonnenaufgangs einen leuchtend roten Wolkenhimmel zu bekommen. 

Denn dafür möchte man ausschließlich in der obersten Wolkendecke Wolken über seiner Foto-Location haben. 

Ca. 60-80 km Richtung Sonne möchte man übrigens keine Wolken haben, damit die Sonne die über uns befindlichen Wolken überhaupt von unten anstrahlen kann. 

Um das zu ermitteln nutze ich aber noch eine weitere App. 

Meteoblue gibt seine Vorhersagen mit einer Wahrscheinlichkeit an, zwei bis drei Tage im voraus sind aber üblicherweise recht zuverlässig. 

 

Warnwetter, kostenlos (eingeschränkt) oder 1,99€ für vollen Funktionsumfang 

 

Mit diesem Programm schaue ich vor allem nach Lücken in der Wolkendecke, wenn ich zum Sonnenauf- oder -untergang losziehen will. 

Hier informiere ich mich auch über die Bewegungen von Wolken- und Niederschlagsfeldern, was nicht nur beim Fotografieren, sondern auch beim Wandern wirklich wichtig sein kann. 

Ich verlasse mich hier meist nur auf die nächsten 24 Stunden, die sind dafür aber umso genauer. Und dieser Vorlauf reicht zumindest, um eine Entscheidung zu fällen, ob man das Reich der Träume verlassen will, noch bevor man die schöne Prinzessin gerettet hat, oder erst danach. 

 

Clear Outside, kostenlos 

 

Die letzte App in meiner Auflistung, die übrigens keiner besonderen Hierarchie folgt. 

 

Clear Outside ist ein Geschenk der Astro-Community vorwiegend für die Astro-Community, aber sie nützt auch jedem anderen, der wissen will, was so am Himmel vorgeht. 

Gestalterisch wirkt die App recht nüchtern und wissenschaftlich, bietet dabei aber eine überwältigende Menge an Informationen. 

Zeitpunkt für Dunkelheit, blaue und goldene Stunde, Sonnenlicht, Mondphasen, Wolkendecke, Position der ISS, Temperatur, gefühle Temperatur, Taupunkt, Wahrscheinlichkeit für Nebel (die in meiner Welt übrigens noch nie zutreffend war!), Frost, Aurora-Aktivität und noch vieles mehr! 

Ich nutze die App hauptsächlich zur Ermittlung der Wolkendecke und kombiniere ihre Vorhersage mit der aus der meteoblue-App, um zu schauen, ob sie sich einig sind. Wenn ja, ist das ein guter Vorbote für eine zutreffende Vorhersage. 

Die Daten der Clear Outside-App sind in der Regel 3-4 Tage im voraus zuverlässig. 

 

 

Das sind meine Apps zur Wettervorhersage. 

Das System ist nicht 100% akkurat, aber das gibt es ohnehin nie, und mir hat es schon oft geholfen, ruhig auszuschlafen, wenn die Bedingungen wenig attraktiv aussahen, und früh raus zu kommen, wenn alles auf bombastische Voraussetzungen für einen beeindruckenden Sonnenaufgang hingewiesen hat. 

Wie zum Beispiel in meinem Video für April, in dem ich genau das geschafft habe: nach Auswertung der Apps früh aufstehen und tatsächlich einen Knaller-Sonnenaufgang genießen! 

Mit Hilfe von meteoblue, Clear Outside und WarnWetter konnte ich dieses Licht relativ genau vorhersagen. Leider nicht der schönste Vordergrund, aber dennoch ein schöner Morgen. Klick auf's Bild für's Video!