28.11.2021


Die Geschichte hinter „Pause“ auf dem Bocksberg in Hahnenklee.

Das war noch mit der Nikon D90 und einer alten 18-50 mm Nikkor Kit-Linse.

An dem Wochenende Ende Mai 2020 waren Mila und ich bei meinem Vater und meiner Stiefmutter im Harz zu Besuch. Ich weiß nicht genau, womit wir den Tag verbracht haben, aber ich erinnere mich, dass ich schon den ganzen Tag lang im Kopf hatte, abends noch fotografieren zu gehen, sollte denn das Wetter mitspielen.


Die Vorhersage sah gut aus, und weil eine kleine Gruppenwanderung zum Tagesabschluss noch keinem geschadet hat, sind wir alle zusammen zum Parkplatz am Auerhahn gefahren und von dort aus auf den Liebesbankweg Richtung Norden gestartet.

Der Weg führte zuerst durch den dichten Fichtenwald und bot nicht viel an Aussicht, aber als wir an der Liebesbankhütte angekommen waren, bot sich ein Blick weit bis ins Harzvorland Richtung Goslar.

Wir haben uns unsere Stempel für die Harzer Wandernadel abgeholt und sind dann hinauf auf den Gipfel des Bocksbergs gewandert.


Wir hatten noch reichlich Zeit bis zum Sonnenuntergang, also haben wir uns erst einmal den Aussichtsturm, der an der Bergstation errichtet wurde, angeschaut, haben ihn erklommen und den Ausblick auf Hahnenklee genossen.

Das Wetter war gütig, kaum eine Wolke am Himmel!

Um noch etwas Zeit zu überbrücken, bis das Licht interessant würde, haben wir uns einen gemütlichen Platz gesucht und uns allen einen Tee aufgebrüht.

Naja, sagen wir fast allen. Wir hatten zwar vier Becher dabei, aber die Thermoskanne fasste leider nur genug Wasser für drei! Planungsfehler, aber es war auch eine ziemlich spontane Idee, noch warmes Wasser mitzunehmen. Man kann ja nun wirklich nicht an jedes Detail denken.

Aber immerhin, drei Becher frischer, warmer Tee zum genießen in schönstem goldenem Licht, bei einem nur spärlich bewölkten Himmel auf einem Berggipfel, der uns ganz alleine gehörte.

So lässt es sich leben.

Und während wir dort saßen, über die Welt und das Leben redeten, ist mir dann die Idee zu dieser Aufnahme gekommen.


Ich bin zum Holzgeländer beim Ausstieg der Bergstation gegangen und habe den Becher platziert.

Nicht allzu lange zuvor hatte ich Videos darüber gesehen, wie man Fotos gegen die Sonne aufnehmen kann, ohne, dass man störende Lens Flares im Bild hat.

Die Lösung ist, mit identischen Einstellungen an der Kamera, also Brennweite, Blendenöffnung, Iso und Belichtungsdauer, zwei mal das gleiche Bild zu machen, wobei man einmal die Sonne verdeckt.

Wenn man die beiden Bilder dann auch identisch entwickelt, kann man sie in einem Fotobearbeitungsprogramm wie Adobe Photoshop oder Affinity Photo übereinander legen und die Teile des Bildes mit unverdeckter Sonne, in denen sich Lens Flares befinden durch die entsprechenden Teile aus dem Bild mit verdeckter Sonne ersetzen, da hier keine Lens Flares entstehen.


Da die Nikon D90 einen Dynamikbereich von gefühlt 2 Stops hat, reichte eine einzige Aufnahme (beziehungsweise halt zwei, weil ein Mal mit und ein Mal mit ohne Finger vor der Linse) nicht aus. 

Ein vergleichsweise dunkler Vordergrund, das Geländer, viele dunkle Fichten im Mittelgrund und dann gegen die Sonne im Himmel!

Mit einer einzigen Auslösung hätte ich mir aussuchen können, ob ich in den Schatten nichts mehr erkennen oder den Himmel bis ins Letzte ausbrennen möchte.

Also musste ich einen Belichtungsstapel machen, quasi eine HDR-Aufnahme, nur eben manuell.

Ich habe die oben beschriebene Technik also mehrfach wiederholt, mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, denn es war wichtig, Tiefenschärfe durch die Blende und durch ISO-Wert gesteuertes Bildrauschen konstant zu halten, damit hinterher beim Übereinanderlegen der unterschiedlichen Fotos nichts bis auf die jeweilige Helligkeit variiert.

Acht Auslösungen später, bei denen ich vier mal völlig absichtlich die Hand im Bild hatte, hatte ich das ganze nötige Material zusammen.

Zuhause wartete auf mich, die Aufnahmen mit Finger im Bild und die Aufnahmen ohne Finger jeweils zu Belichtungsstapeln zusammenzusetzen und dann, so wie oben beschrieben, die Lens Flares zu entfernen. Aber das sollte nicht mehr heute geschehen.

Mila und ich sind noch ein wenig über das Gelände geschlendert, und haben ein paar Aufnahmen gemacht, aber das Bild von meinem Teebecher sollte für dieses Mal mein Bestes sein.


Die Wanderung hatte sich absolut gelohnt, wir hatten einen schönen Abend gehabt und einen wundervollen Sonnenuntergang genossen.

Zeit, nachhause zu fahren.

Behind the scenes! Mein Vater fotografiert mich beim Fotografieren.

Mila hat er auch erwischt. Das Bild, das hier entstanden ist, findest du auf Instagram.

Es war wirklich ein wundervoller Abend! Danke für so schöne Fotos davon, Papa!